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Die 5er Serie von BMW schafft es wie nur wenige Fahrzeuge zu fast jeder
Modellreihe eine Assoziation aus der Vergangenheit ans
Tageslicht zu bringen. Angefangen beim E 12 mit dem der Moosgruber von der
Polizeiinspektion 1 sei Backhendl gholt hat, über Alex´s
E 28, Romans grauslich verbastelter E 34 Dosn, dem so geil grollenden V8
im E 39 M5 bei "Getaway in Stockholm" bis zum E 60,
dessen Bangle Design seiner Zeit einfach voraus war und erst jetzt so
richtig leiwaund rüber kommt.
Nun haben die Bayern Ihren nächsten Meilenstein der oberen Mittelklasse
auf den Markt gebracht und wie es aussieht gibt's
bad news
for Mister Moosgruber.
Obwohl das
schlachtschiffartige Äußere
auf stadthallengroße Innenausmaße hindeutet, wird der Moosgruber
nicht wirklich viel Platz haben
und das Bachhendl gegen Chicken McNuggets tauschen müssen oder den
Lieferservice bemühen.
So toll enge Männerspielzeuge im sexuellen Kontext sein mögen, beim Auto
hört sich der Spaß auf. Ok, mein Wampmradius ist ein
paar Zentimeter vom Idealwert entfernt, aber egal wie man die Sitze und
das Lenkrad auch einstellt, ich hab's nicht geschafft da rein zu
kommen ohne fast stecken zu bleiben. Für ein Auto in dieser Klasse völlig
unzumutbar. Die Kombination aus zu kleiner Fahrertür und einem
weit in den Innenraum ragenden Armaturenbrett beschränkt das F 10 Klientel
auf Marathonläufer und Zwergwüchsige.
Der Kofferraum bietet ausreichend Platz für eineinhalb Nataschas.
Hat man es dann doch geschafft ins
Cockpit
vorzudringen findet man eine perfekt verarbeitete
Armaturenlandschaft und eine
Mittelkonsole
so breit wie Strasshof. Wie es sich für eine Strasshofer Mittelkonsole
gehört hat man viel Platz im den unteren
Etagen. Diese beherbergt
Handyhalterung, Schlüsselfach (Dank
Keyless Start
braucht man das Ding nach dem Öffnen nicht mehr) und sowohl Klinken-
als auch
USB Anschluss für die Musikzuspielung inkl. Tschickanzünder zur
Stromversorgung des MP3 Players.
Das
Soundsystem
klingt ausgesprochen gut, solange man die Bässe nicht zu sehr
anhebt, dann stoßen die Tieftöner sehr schnell
an ihre Grenzen. Die Sesseln sind bequem und lassen den Fahrer auch bei
1000km Passagen nicht leicht ermüden.
Das genialste Gimmick ist allerdings das aufpreispflichtige
Headup Display. Angezeigt wird
Geschwindigkeit, Navigationsinfos inkl.
Spurassistent und so nervige Gschichten wie die Gurtkontrolle. Hat man die
etwas irritierende anfängliche "Oida voi wie auf da Playstation"
Phase überlebt will man das Ding einfach nimma mehr hergeben. Die
gesammelten Technikspielereien werden über
iDrive verwaltet.
Hat man die Logik des Systems mal behirnt, geht eigentlich alles relativ
einfach von der Hand. Auch eine vollständige
interaktive
Bedienungsanleitung mit
Bildern und Videos ist über dieses zentrale Hexenzeugs abrufbar. Und
sogar die Sprachsteuerung funktioniert!
Das Handy kann via
Bluetooth
verbunden werden ist damit im Freisprechbetrieb.
Das Navigationssystem im "Google Earth" look
ist erstklassig. Haufenweise (im Detail erklärte) POIs sind eine
tolle Sache für
Globetrotter. Ich glaube sogar wenn sich die acht Jahre vom Schuldienst
befreite Lebensabschnittspartnerin aus dem Kofferraum befreien
kann und schnell mal die nächste Polizeidienststelle anfahren möchte wäre
das trotz längerer Abstinenz von neuen Technologien nicht
wirklich ein Problem.
Die Einparksensoren mit grafischer Darstellung
erfassen das Umfeld zuverlässig (bis auf flache Steine auf
Wiesenparkplätzen).
Überhaupt ist die Anzahl der bestellbaren
Helferleins
schwer beeindruckend. Einparkassistent, Abstandstempomat und Night
Vision
(von wem hams das bloß? *gg*), Kameras für den Rundumblick, Ferndiagnose
mit automatischer Datenübermittlung zur Werkstätte,
Concierge Funktion und vieles, vieles mehr.
Ein
Druck auf den "Engine
Start" Button
erweckt den Selbstzünder zum Leben. Der
drei Liter Turbodiesel hackelt im Normalbetrieb
ziemlich unspektakulär - und für die Insassen beinahe lautlos - unter der
mächtigen Haube. Apropos Haube. Für die Entwicklung der
Haubenarretierung hat's bei BMW sicherlich
eine eigene Abteilung gegeben. Das
Drehmoment
ist quasi Allgegenwärtig und bietet in
jedem Drehzahlbereich ausreichend Schmalz. Wechselt der Fahrer in den
"Priklopil muss den Zug erwischen" Modus zeigt sich das
Kraftwerk von seiner bayrischen Seite. Wie die Techniker es geschafft
haben einem Diesel so einen
grollenden Spruch
anzulernen
ist mir schleierhaft. Klingt ein wenig wie ein kastrierter V8 im
Lastbetrieb, Respekt BMW.
Das Aggregat hievt den 1700 Kilo schweren Bayern in
sieben Sekunden auf
Tempo 100 und
erst bei ca. 220 merkt man das die
Motivation zu schwinden beginnt. Bei
236 km/h
ist dann endgültig Ende. Für den zweitkleinsten Diesel im Angebot eine
gute Vorstellung.
Im 3000 Kilometer Test erreichten wir einen
Durchschnittsverbrauch
von 8,3 Litern was in Anbetracht des Fahrstils sensationell ist.
Einen
großen Anteil an der Gesamtperformace trägt das
Automatikgetriebe
bei. Wenn man das erste mal in den manuellen Modus
wechselt, sich ein wenig mit den
Schaltpaddles
spielt und dann plötzlich am Display "M8" liest, glaubt man im
ersten Moment
man sei im falschen Kino. 8 Gänge??? WTF? Jep, acht Stück Gangln stehen
dem motivierten BMW Fleischi zur Auswahl.
Und es handelt sich hierbei um die
schnellste und
sportlichste Wandlerautomatik,
die ich je bedienen durfte.
Die Gangwechsel sind nur einen Hauch langsamer als bei den
Doppelkupplungsgetrieben der Konkurrenz, die Schubunterbrechung
nur minimal wahrnehmbar. Wie auch schon im X5
bringt es BMW als einer der wenigen Mainstreamhersteller fertig die
+/- Anordnung
des Wählhebels in der Mittelkonsole richtig anzuordnen ( "-" nach vorne,
"+" nach hinten).
Kommen wir nun zum zweitgrößten Problem des neuen Fünfers, dem
Fahrwerk.
Mir ist schon bewusst das die Abschirmung der
Passagiere von den Geschehnissen der Aussenwelt und ein sportliches
Handling zwei Dinge sind, die sich nur sehr, sehr schwer
kombinieren lassen. Aber ich bin mir sicher es würde besser gehen. Der BMW
ist einfach nicht
Fisch und nicht Fleisch.
Nicht so komfortabel wie eine E-Klasse und nicht so sportlich zu fahren
wie moderne Audis. Irgendwie kommt man sich vor
als würde man in einer
Kompromissrodel
sitzen. Die Lenkung bietet zu wenig Feedback und ist auf der
Autobahn bei motivierter
Fahrweise einfach zu leicht und das Fahrwerk leitet einfach zu wenig
Information ans Popometer weiter um die Schüssel effizient
um die Ecken schmeißen zu können.
Die (aufpreispflichtige) "Fahrdynamik
Control" bietet
verschiedene (editierbare) Programme. "Comfort" für sanfte
Gasannahme und weiche
Dämpfer, "Sport" für spontanere Gasannahme und härte Dämpfung und "Sport
+" für zusätzliche Spielraumerweiterung der Traktions-
kontrolle. Obwohl man die Änderung am Gaspedal und dem Getriebe sehr wohl
merkt, habe ich keinerlei Unterschied bei Dämpfer- und
Lenkungseinstellungen feststellen können.
Hier haben die Bayern schwer versagt. Beim Wetztest den Kahlenberg
rauf schaukelt das
Teil an Stellen auf, wo man es partout nicht erwarten würde.
Wenigstens lässt sich das ESP
durch längeres Betätigen des Schalters komplett deaktivieren.
Der Anker
funktioniert hingegen sensationell. Bei den ersten Bremsversuchen
hauts einem schnell mal den Plutzer Richtung
Volant. Und die gute Zanglerei braucht man auch, denn durch das bärige
Drehmoment und der guten Schalldämmung ist man
eigentlich immer zu schnell. VIEL zu schnell. Die Betriebsbremse wird
übrigens auch als Feststellbremse verwendet und lässt
sich auch über die Wippen der Tempomatsteuerung bedienen.
Preislich beginnt der neue 5er ab
rund 49k€ als Limousine mit
Bausparerausstattung. Laut Konfigurator hat unser Testwagen rund
65k€ gekostet. Mit ein paar Spielereien extra knackt man schnell mal die
80k€ Grenze. Natürlich ist er auch als Kombi erhältlich.
Oder man bezahlt 6k€ mehr und kann den Fünfer als furchtbar grauslich
aussehenden GT ordern. Vorteil bei dieser Variante ist die
dadurch unnötig gewordene Alarmanlage und die Diebstahlsversicherung.
Nicht mal der hungrigste Pole würde sich das Ding unter den
Nagel reißen *brrrrrrr*.
Fazit:
"Eieiei"
würde Dieter Bohlen sagen. So stimmig und fantastisch das
Gesamtkonzept im Katalog auch aussehen mag,
die richtige Begeisterung mag sich nicht einstellen. So geil die ganzen
Gimmicks auch sind, wenns an den Basics
scheitert ist das halt ein Trauerspiel. Wenn ich zwischen 50 und 80k€ in
ein Fahrzeug investiere, dann muss bei jeder Fahrt
der Zumpf in der Hose pochen und das tut er hier leider nicht. Der 5er ist
keinesfalls ein schlechtes Auto,
solange man den Körpermaßen der bayrischen Designer entspricht und sich
nicht allzu viel
Feedback beim sportlichen Kurven wetzen erwartet, ist der 5er ein
sensationelles Stück Ingenieurskunst.
Für mein Geld
allerdings würde ich allerdings eher zur Mercedes E-Klasse oder ins
Jaguar Regal greifen.
Die sind zwar auch keine Sportler, aber dafür geräumiger, bequemer und
nicht wirklich langsamer.
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