BMW 525d (F10)

 

 Leistung: 204 PS
 Drehmoment: 450 Nm @ 1750 - 2500 upm
 Zylinder: 6 mit Turboaufladung
 Hubraum: 2993 ccm³
 Eigengewicht: 1705 kg
 Beschleunigung 0-100 km/h: 7,2 sek
 Höchstgeschwindigkeit: 236 km/h
 Antrieb: Heckantrieb, 8-Gang Automatik Steptronic
 Standort: Wien
 Fahrer: phj
 Beifahrer: Mr Löw
 Charakteristik: Kernige Rosine mit Melonenschale


 
 Die 5er Serie von BMW schafft es wie nur wenige Fahrzeuge zu fast jeder Modellreihe eine Assoziation aus der Vergangenheit ans
 Tageslicht zu bringen. Angefangen beim E 12 mit dem der Moosgruber von der Polizeiinspektion 1 sei Backhendl gholt hat, über Alex´s
 E 28, Romans grauslich verbastelter E 34 Dosn, dem so geil grollenden V8 im E 39 M5 bei "Getaway in Stockholm" bis zum E 60,
 dessen Bangle Design seiner Zeit einfach voraus war und erst jetzt so richtig leiwaund rüber kommt.
 Nun haben die Bayern Ihren nächsten Meilenstein der oberen Mittelklasse auf den Markt gebracht und wie es aussieht gibt's
bad news
 for Mister Moosgruber
.

 Obwohl das
schlachtschiffartige Äußere auf stadthallengroße Innenausmaße hindeutet, wird der Moosgruber nicht wirklich viel Platz haben
 und das Bachhendl gegen Chicken McNuggets tauschen müssen oder den Lieferservice bemühen.
 So toll enge Männerspielzeuge im sexuellen Kontext sein mögen, beim Auto hört sich der Spaß auf. Ok, mein Wampmradius ist ein
 paar Zentimeter vom Idealwert entfernt, aber egal wie man die Sitze und das Lenkrad auch einstellt, ich hab's nicht geschafft da rein zu
 kommen ohne fast stecken zu bleiben. Für ein Auto in dieser Klasse völlig unzumutbar. Die Kombination aus zu kleiner Fahrertür und einem
 weit in den Innenraum ragenden Armaturenbrett beschränkt das F 10 Klientel auf Marathonläufer und Zwergwüchsige.
 Der Kofferraum bietet ausreichend Platz für eineinhalb Nataschas.

 Hat man es dann doch geschafft ins
Cockpit vorzudringen findet man eine perfekt verarbeitete Armaturenlandschaft und eine Mittelkonsole
 so breit wie Strasshof. Wie es sich für eine Strasshofer Mittelkonsole gehört hat man viel Platz im den unteren Etagen. Diese beherbergt
 Handyhalterung, Schlüsselfach (Dank
Keyless Start braucht man das Ding nach dem Öffnen nicht mehr) und sowohl Klinken- als auch
 USB Anschluss für die Musikzuspielung inkl. Tschickanzünder zur Stromversorgung des MP3 Players.
 Das
Soundsystem klingt ausgesprochen gut, solange man die Bässe nicht zu sehr anhebt, dann stoßen die Tieftöner sehr schnell
 an ihre Grenzen. Die Sesseln sind bequem und lassen den Fahrer auch bei 1000km Passagen nicht leicht ermüden.
 Das genialste Gimmick ist allerdings das aufpreispflichtige Headup Display. Angezeigt wird Geschwindigkeit, Navigationsinfos inkl.
 Spurassistent und so nervige Gschichten wie die Gurtkontrolle. Hat man die etwas irritierende anfängliche "Oida voi wie auf da Playstation"
 Phase überlebt will man das Ding einfach nimma mehr hergeben. Die gesammelten Technikspielereien werden über iDrive verwaltet.
 Hat man die Logik des Systems mal behirnt, geht eigentlich alles relativ einfach von der Hand. Auch eine vollständige
interaktive
 Bedienungsanleitung
mit Bildern und Videos ist über dieses zentrale Hexenzeugs abrufbar. Und sogar die Sprachsteuerung funktioniert!
 Das Handy kann via
Bluetooth verbunden werden ist damit im Freisprechbetrieb.
 Das Navigationssystem im "Google Earth" look ist erstklassig. Haufenweise (im Detail erklärte) POIs sind eine tolle Sache für
 Globetrotter. Ich glaube sogar wenn sich die acht Jahre vom Schuldienst befreite Lebensabschnittspartnerin aus dem Kofferraum befreien
 kann und schnell mal die nächste Polizeidienststelle anfahren möchte wäre das trotz längerer Abstinenz von neuen Technologien nicht
 wirklich ein Problem.
 Die Einparksensoren mit grafischer Darstellung erfassen das Umfeld zuverlässig (bis auf flache Steine auf Wiesenparkplätzen).
 Überhaupt ist die Anzahl der bestellbaren
Helferleins schwer beeindruckend. Einparkassistent, Abstandstempomat und Night Vision
 (von wem hams das bloß? *gg*), Kameras für den Rundumblick, Ferndiagnose mit automatischer Datenübermittlung zur Werkstätte,
 Concierge Funktion und vieles, vieles mehr.

 Ein Druck auf den "Engine Start" Button erweckt den Selbstzünder zum Leben. Der drei Liter Turbodiesel hackelt im Normalbetrieb
 ziemlich unspektakulär - und für die Insassen beinahe lautlos - unter der mächtigen Haube. Apropos Haube. Für die Entwicklung der
 Haubenarretierung hat's bei BMW sicherlich eine eigene Abteilung gegeben. Das
Drehmoment ist quasi Allgegenwärtig und bietet in
 jedem Drehzahlbereich ausreichend Schmalz. Wechselt der Fahrer in den "Priklopil muss den Zug erwischen" Modus zeigt sich das
 Kraftwerk von seiner bayrischen Seite. Wie die Techniker es geschafft haben einem Diesel so einen
grollenden Spruch anzulernen
 ist mir schleierhaft. Klingt ein wenig wie ein kastrierter V8 im Lastbetrieb, Respekt BMW.
 Das Aggregat hievt den 1700 Kilo schweren Bayern in
sieben Sekunden auf Tempo 100 und erst bei ca. 220 merkt man das die
 Motivation zu schwinden beginnt. Bei
236 km/h ist dann endgültig Ende. Für den zweitkleinsten Diesel im Angebot eine gute Vorstellung.
 Im 3000 Kilometer Test erreichten wir einen
Durchschnittsverbrauch von 8,3 Litern was in Anbetracht des Fahrstils sensationell ist.

 Einen großen Anteil an der Gesamtperformace trägt das Automatikgetriebe bei. Wenn man das erste mal in den manuellen Modus
 wechselt, sich ein wenig mit den
Schaltpaddles spielt und dann plötzlich am Display "M8" liest, glaubt man im ersten Moment
 man sei im falschen Kino. 8 Gänge??? WTF? Jep, acht Stück Gangln stehen dem motivierten BMW Fleischi zur Auswahl.
 Und es handelt sich hierbei um die
schnellste und sportlichste Wandlerautomatik, die ich je bedienen durfte.
 Die Gangwechsel sind nur einen Hauch langsamer als bei den Doppelkupplungsgetrieben der Konkurrenz, die Schubunterbrechung
 nur minimal wahrnehmbar. Wie auch schon im X5 bringt es BMW als einer der wenigen Mainstreamhersteller fertig die +/- Anordnung
 des Wählhebels in der Mittelkonsole richtig anzuordnen ( "-" nach vorne, "+" nach hinten).
 
 Kommen wir nun zum zweitgrößten Problem des neuen Fünfers, dem
Fahrwerk. Mir ist schon bewusst das die Abschirmung der
 Passagiere von den Geschehnissen der Aussenwelt und ein sportliches Handling zwei Dinge sind, die sich nur sehr, sehr schwer
 kombinieren lassen. Aber ich bin mir sicher es würde besser gehen. Der BMW ist einfach
nicht Fisch und nicht Fleisch.
 Nicht so komfortabel wie eine E-Klasse und nicht so sportlich zu fahren wie moderne Audis. Irgendwie kommt man sich vor
 als würde man in einer
Kompromissrodel sitzen. Die Lenkung bietet zu wenig Feedback und ist auf der Autobahn bei motivierter
 Fahrweise einfach zu leicht und das Fahrwerk leitet einfach zu wenig Information ans Popometer weiter um die Schüssel effizient
 um die Ecken schmeißen zu können.
 Die (aufpreispflichtige) "
Fahrdynamik Control" bietet verschiedene (editierbare) Programme. "Comfort" für sanfte Gasannahme und weiche
 Dämpfer, "Sport" für spontanere Gasannahme und härte Dämpfung und "Sport +" für zusätzliche Spielraumerweiterung der Traktions-
 kontrolle. Obwohl man die Änderung am Gaspedal und dem Getriebe sehr wohl merkt, habe ich keinerlei Unterschied bei Dämpfer- und
 Lenkungseinstellungen feststellen können.
Hier haben die Bayern schwer versagt. Beim Wetztest den Kahlenberg rauf schaukelt das
 Teil an Stellen auf, wo man es partout nicht erwarten würde.
 Wenigstens lässt sich das
ESP durch längeres Betätigen des Schalters komplett deaktivieren.

 Der
Anker funktioniert hingegen sensationell. Bei den ersten Bremsversuchen hauts einem schnell mal den Plutzer Richtung
 Volant. Und die gute Zanglerei braucht man auch, denn durch das bärige Drehmoment und der guten Schalldämmung ist man
 eigentlich immer zu schnell. VIEL zu schnell. Die Betriebsbremse wird übrigens auch als Feststellbremse verwendet und lässt
 sich auch über die Wippen der Tempomatsteuerung bedienen.

 Preislich beginnt der neue 5er
ab rund 49k€ als Limousine mit Bausparerausstattung. Laut Konfigurator hat unser Testwagen rund
 65k€ gekostet. Mit ein paar Spielereien extra knackt man schnell mal die 80k€ Grenze. Natürlich ist er auch als Kombi erhältlich.
 Oder man bezahlt 6k€ mehr und kann den Fünfer als furchtbar grauslich aussehenden GT ordern. Vorteil bei dieser Variante ist die
 dadurch unnötig gewordene Alarmanlage und die Diebstahlsversicherung. Nicht mal der hungrigste Pole würde sich das Ding unter den
 Nagel reißen *brrrrrrr*.
 

 Fazit:

 "Eieiei" würde Dieter Bohlen sagen. So stimmig und fantastisch das Gesamtkonzept im Katalog auch aussehen mag,
 die richtige Begeisterung mag sich nicht einstellen. So geil die ganzen Gimmicks auch sind, wenns an den Basics
 scheitert ist das halt ein Trauerspiel. Wenn ich zwischen 50 und 80k€ in ein Fahrzeug investiere, dann muss bei jeder Fahrt
 der Zumpf in der Hose pochen und das tut er hier leider nicht. Der 5er ist keinesfalls ein schlechtes Auto,
 solange man den Körpermaßen der bayrischen Designer entspricht und sich nicht allzu viel
 Feedback beim sportlichen Kurven wetzen erwartet, ist der 5er ein sensationelles Stück Ingenieurskunst.

 
Für mein Geld allerdings würde ich allerdings eher zur Mercedes E-Klasse oder ins Jaguar Regal greifen.
 Die sind zwar auch keine Sportler, aber dafür geräumiger, bequemer und nicht wirklich langsamer.