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Nach dem eher
enttäuschenden Erlebnis mit dem
Carrera Tiptonic
Cabrios, begab ich mich Mitte Oktober 2006 nochmal an den
den Ort des Geschehens um die Perle dieser Baureihe fahren zu dürfen, den
911 Turbo. Aber mit Schaltgetriebe, so wie Gott
das gewollt hätte.
"Turbo" ist bei Porsche nicht irgendein breitgetretener Forstinger Slogan,
sondern immer etwas ganz besonderes.
Klar gibts da noch GT 2, GT 3 und natürlich den Carrera GT, aber sogar
"The Godfather himself" Walter Röhrl
meinte mal,
wenn er sich aus der gesamte 911er Palette nur einen aussuchen könnte,
würds der Turbo sein.
Nun gut, was für Yoda gut genug ist, kann für den kleinen dicken Padawan
aus Donaustadt ned schlecht sein.
Das Interieur
ist genauso perfekt verarbeitet wie im Carrera. Einzig ein kleines
Stückchen Leder, dass sich von der Rückseite der
rechten Lenkradspeiche löste trübt den sonstigen Perfektionismus. Kein
Beinbruch, sollte aber in dieser Preisklasse nicht
wirklich passieren. Der Turbo war mit den serienmässigen Sportsitzen
ausgestattet, welche sich komischerweise bei normaler
Fahrweise bequemer anfühlten als das auf Komfort getrimmte Gestühl im
Cabrio.
Im Kampfmodus sind die Sesseln erste Wahl.
Das 350 km/h Ende des in fünfziger Schritten skalierten Tachos
signalisiert "Wir san auf kana Kinderjausn".
Auch in diesem Fahrzeug war das aufpreispflichtige
Bose Soundsystem installiert. Ich kann es nicht oft genug
sagen, wie
geil das Teil andrückt. Noch vor einigen Jahren war sowohl ein derartiges
Staging als auch ein solch präziser Kickbass
bei einem HiFi System ab Werk undenkbar.
Nachdem ich mit der Hardware von meinem letzten Ausflug noch gut vertraut
war, brauchte es nicht viel Zeit um mich zurecht
zu finden. Schlüssel rein, umdrehen, *vrooom*. Der
3,6 Liter Boxer erwacht mit weit mehr Groll in der Stimme als
seine
Saugerbrüder. Dank der exzellent funktionierenden Parktronic ist das
Porschegelände schnell verlassen und der Blick ist starr
auf die Öltemperatur fixiert. "Kumm scho, kumm scho, wer woam" faucht man
Richtung Armaturenbrett, doch wie Divas nun mal
sind lässt sich auch das Topmodell der 997 Baureihe ganz schön lange
bitten.
Das verschafft einem Zeit mit dem superknackigen
6 Gang Schaltgetriebe Freundschaft zu
schliessen.
Die Fahrstufen lassen sich sauber und kratzfrei einschlichten, die
Schaltwege sind kurz und sauber. Die Kupplung ist etwas
gewöhnungsbedürftig, aber nicht sooo extrem wie man sich das von einem
Supersportwagen erwarten würde.
In diesem 911er war auch das "PCCB" Bremssystem
(Porsche Ceramic Composite Brake) verbaut und verhielt sich im
kalten
Zustand auch sehr moderat und unauffällig. Noch ahnte ich nicht, was diese
6 Kolben Anlage (vorne) mit ihren 38er Scheiben
(vorne) für Verzögerungsleistung erbringen kann.
Während man noch vor sich hin philosophiert hätte man die erste wichtige
Etappe fast versäumt, die Nadel der Öltemperatur
hat sich bewegt, Pole Position an der Ampel hat man auch, also worauf noch
groß warten. Aus Gründen des Respekts
(und des 5%-igen Selbstbehalts) schlichtet man mal vorsichtig die Zweier
rein und drückt mal drauf. 1500, 2000...mhmm nett...
2500...aha noch netter.....3000...."Jawoi". Ab 3000 Umdrehungen setzen die
zwei Föns im Genick ein und brack ist man nach
wildem links-rechts-ziehen im Begrenzer. Bist deppad, SO ghert des. So
einen Schub hab ich das letzte mal erlebt als ich
Beifahrer in Alex´s "Kamikaze Integrale" mit 1,5 bar Ladedruck und Lachgas
gesessen bin.
Nach drei weiteren Ampeln dürfte es sich bis zum letzten Bauteil des
Boliden durchgesprochen haben "Da Blade is motiviert".
Kurzer Stop in der Firma (Alex wollte natürlich auch eine Runde drehen)
gings mit Ederl Richtung Dopplerhütte.
Auf der kurrvenreichen Exelbergstrasse zeigte der 911 Turbo dann endgültig
wo der Hammer hängt. Am besten kann man es
mit einer Fahrt in der Achterbahn beschreiben, aber in einer orgen. Das
ist eine ganz andere Welt. Nicht nur das die Nacken-
muskulatur beansprucht wird, nein, auch ein gut trainierter Magen ist von
Vorteil wenn man verhindern will, dass sich akuter
Retourhunger einstellt. Teilweise hat man als Beifahrer echte Probleme mit
dem fokussieren. Als ich mit Alex die Gassln rund
um unsere Firma unsicher machte und dachte er wolle links einbiegen drehte
ich natürlich auch meinen Kopf in diese Richtung.
Alex jedoch ging kurz vom Gas und fuhr gerade weiter. Beim Geradestellen
des Kopfes hatte ich echt Probleme die Strasse
wieder scharf zu stellen. Ich glaube das Testteam für dieses Projekt
bestand aus Walter Röhrl und einem Rudel Schimpansen
der NASA, die solche Gravitationskräfte gewohnt sind. Und sogar die habens
wahrscheinlich nach einem Monat einschläfern
müssen weil sie herum grennt sind wie überdimensionierte Tanzmäuse auf
Extasy.
In jeder schnell gefahrenen Kurve rangen alle vier Räder nach Traktion
und das mit 235/35 ZR 19 auf
8,5 J x 19"
vorne und
305/30 ZR 19 auf 11J x
19"
hinten. Ich glaube in den ersten paar
Tagen würde man es sich sicherlich verkneifen die
Traktionskontrolle zu deaktivieren. Zu groß wäre die Gefahr dieses
180.000 Euro teure Viech in die Botanik
zu pflanzen.
Man wird beinahe alle fünf Minuten daran erinnert in welcher Liga man mit
diesem Gerät spielt. Ein Beispiel:
Bei gut motorisierten Hecktrieblern ist man es ja vor Bremspunkten gewohnt
beim runterschlichten vorsichtig einzukuppeln
um das Heck ruhig zu halten, aber bei einem Allrad? Sobald man beim
runterschalten in die Zweier die Kupplung zu hart
kommen lässt meldet sich schon das Heck zu Wort, was bei aktiviertem PSM
Gott sei Dank keine bösen Folgen hat.
Diese Kombination aus Beschleunigung, Verzögerung, Querbeschleunigung und
giftigem Feedback versetzt einem einen
Adrenalinstoß, der mit nichts zu vergleichen ist. Kaum verlässt die rechte
Hand das Lenkrad Richtung Schaltknauf, wird sie
auch schon wieder retour beordert um die Rodel auf der Strasse zu halten.
Weiter zur nächsten Schikane, hart in die Eisen, Zweier, Einser, man
glaubt es zieht einem die Haut vom Gesicht, immer wieder
kurzer Blick in den Innenspiegel "Schas, schau ich schon aus wie Schumacher?
Na, Gott sei Dank", einlenken, Stoff, Arsch fängt
an zu tanzen, Begrenzer, Zweier, Dreier, der Halbangenehme in der
Unterhose will raus und rythmisch zu Madonna´s
"La is la bonita" aufs Volant klopfen, kurz in der Vierer, wieder in die
Eisen, keinerlei Fading der
Keramikzanglerei, kurzes
Streifen der Frontlippe an Asphalt aufgrund der Verzögerung, Zweier,
nachkuppeln, Vollgas. Der Bi-Turbo faucht
wie Garfield
wennst ihm seine letzte Lasagne happen willst. Und so geht das die ganze
Zeit.
Führerscheine hat man am besten im 10er Block zum abreissen, denn man ist
quasi immer im führerscheinlosen Bereich.
Und wer bekommts mit? Kein Schwein. Ich
glaube nicht mal 3% der Leute realisieren was da gerade vorbei
gefahren ist.
Für Otto Normalverbraucher ist dieses Viech einfach "A Porsche" und nix
anderes.
Wenn sich der durchschnittliche Kapperlständer allerdings auch in diese
Riege der Ahnungslosen gesellt, ist das andererseits
gar nicht so schlecht. Auch der Tankwart schöpft bei
29,9 Liter Durchschnittsverbrauch noch keinen Verdacht.
Die erste Ausfahrt mit diesem Gerät kann man am besten mit dem
ersten mal schnaxeln vergleichen. Man
ist vorher total nervös,
weiß zu Anfang nicht was man da eigentlich tut, findets aber trotzdem geil
und bevor man sichs versieht isses auch schon wieder
vorbei.
Kurz noch Ederl aussteigen lassen und jetzt heissts die Rodel kalt fahren,
denn alleine am Geruch der aus sämtlichen Öffnungen
austritt kann der versierte Benzinbruder die Rundenzeiten raus riechen.
Fazit:
Sollte ich eines Tages zum Tode verurteilt werden und einen letzten Wunsch
frei haben es wäre nicht Mamas legendärer
faschierter Braten mit Reis und Preiselbeeren und auch nicht ein Ritt auf
Eva Mendez, nein es wäre eine Ausfahrt in einem
Turbo Porsche. Ich bin in meiner automobilen Laufbahn ja schon oft böse
Geräte gefahren, aber DAS ist unpackbar.
Der Modena war zwar wesentlich lauter und publikumswirksamer, aber hätte
im head-to-head Vergleich kein Leiberl.
So hängt mein Herz an der Zuffenhausener Doppelturbine, solange jedenfalls
bis ich den F430 in die Reissn krieg... |