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Schon als Jungspund haben es mir die magischen zwei Buchstaben "SL"
angetan und wie der Stammleser weiß, konnte ich mir
2004
diesen Traum erfüllen. Seit meinem Modell hat sich in Stuttgart
einiges getan. Der Nachfolger
R230
hat in der Zwischenzeit
seine zweite Modellpflege hinter sich und präsentiert sich mit -zugegeben
etwas gewöhnungsbedürftiger- CLS Front.
Gott sei Dank wirkt der "MOPF
II" in Echt
schöner als auf Fotos. Die Linienführung wurde belassen so wie sie
war, einzig ein paar
Details wurden geändert, wie zum Beispiel die
Finnen am Kotflügel. Warum die allerdings in
Kontrastfarben
lackiert werden,
bleibt mir ein Rätsel. Schaut a bissl aus wie z´fleiß. Aber was solls,
wenn man sich die Rodel leisten kann,
wirds am Lackierer auch nicht scheitern.
Voll motiviert hab ich am 20. Juni den zweitstärksten Mercedes
Roadster in Empfang genommen. Da ich am Morgen noch das online
manual auf der englischen Webseite gelesen habe, gabs keine größeren
Überraschungen mit der Klaviatur.
Man pflanzt seinen Hintern auf die noble
Kuhhaut und beginnt mal die Unzahl an elektrischen Gimmicks zu
probieren.
Und löblicherweise gibts auch hier keinerlei Unklarheiten, wenn man schon
mal Mercedes gefahren ist.
Platz ist ausreichend vorhanden, die
Verarbeitung
wäre perfekt, wenn da nicht das Wahlrad der Innentemperatur wäre.
(Ich betone absichtlich Innentemperatur, denn bei den ganzen
Innovationen wirds sicher auch mal einen Aussentemperaturregler
geben). Ich verstehs nicht, da hat man feinste Materialien, ein
innovatives Gesamtkonzept und dann hat das kleine Einstellrädchen
mehr Spiel als die Vorhaut vom Peitscherl. Da sollten die Jungs wirklich
nachbessern.
Vom allerfeinsten hingegen sind die Sesseln. Feinstes Nappa Leder,
elektrisch verstellbar, beheizbar,
belüftbar und sollte der
Manga Porno am Comand
System zum
rubbeln verleiten, man aber keine Hand frei hat, kann man sich
zumindest den
Hintern massieren lassen. Eine der Innovationen ist auch, dass endlich das
geniale AIRSCARF
System in den SL adaptiert wurde.
Durch den warmen Luftzug im Genick verlängert sich die Cabrio Saison um
einige Monate. Optional könnte man sich noch
Alfons Haider hinter das Gestühl packen, aber da hol ich mir die warme
Luft dann doch lieber von der Heizung.
Ergonomietechnisch wurde der perfekte Kompromiss zwischen Komfort und
Sportlichkeit gefunden.
Das AMG Lenkrad liegt perfekt in der
Hand, die Schaltpaddles haben einen exakten Druckpunkt und die
gewohnten Lenkradtasten
für die wichtigsten Funktionen sind auch drauf. Die
Mittelkonsole ist -wenn man den
Funktionsumfang dieses Fahrzeugs berücksichtigt-
sehr übersichtlich gelungen. Klar, um alle Features kennen zu lernen
braucht man schon ein bissl, aber die Basics klappen auf Anhieb.
Vorführmodelle von Top Varianten sind bei Mercedes ja bekanntlich ziemlich
voll eingeräumt und der 63er macht hier keine Ausnahme.
Distronic, Dachfernbedienung, SBC,
BAS, Bi-Xenon, PTS, Harman Kardon Soundsystem und vielem mehr.
Das
Herzstück des SL 63 AMG ist natürlich der
dicke fette V8 unter der Haube.
Wie oft haben wir schon in Prospekten gelesen
wie rennsportnahe das Fahrzeug XY denn nicht sei ("Eben noch mit Röhrl auf
der Nordschleife, jetzt schon mitn Pepi Onkel auf der
Tangente").
Aber hier wird ein komplett neues Kapitel aufgeschlagen. Das Triebwerk hat
einen
Akzent, das einem die Eier zu
pulsieren beginnen.
Abgrundtief stöhnt der V8 bei jeder Drehzahl als würde man Mutter Beimer
mit der Brunnenröhre vögeln. Wie der Auspuff durch den TÜV
gerutscht ist, ist mir absolut schleierhaft. Beim Gas geben In
Neutralstellung brüllt, schießt und blubbert das Ding, man kann es
einfach nicht in Worte fassen. Das ist mit Abstand die genialste
Serienauspuffanlage, die ich je gefahren bin.
Der Drehmomentverlauf ist ziemlich konstant. Ab
Leerlauf
stehen
500Nm
zur Verfügung, 630Nm sinds bei 5200 Umdrehungen.
Aus dem Keller beschleunigt der doch ein wenig übergewichtige Roadster
subjektiv um einiges besser als z.B. der
Audi RS4.
Beeindruckend ist mit
102,2
zu
94,6 mm
das Verhältnis
Bohrung zu Hub. Ebenso
beeindruckend ist der entgleiste Gesichtsausdruck
des Fahrers wenn das erste mal die Sprudeloase anvisiert wird. Nach knapp
80 Kilometern (schwerst) motivierter Fahrt gluckerten mal
26,5 Liter Sprit ins Heck. Aber schon die gute 100 oktanige Ware. Das
ergibt einen phj Verbrauch von
34 Liter
auf 100 Kilometer.
Aber was solls, für Strumpfhosenträger, Grün-Wähler und Holländer gibts ja
andere Vehikel.
Das auf den
Namen "AMG Speedshift MCT"
hörende 7-Gang Automatikgetriebe ist ein absolutes Gustostückerl.
Während DSG ja schon gut ist (nur leider selbstständig hoch schaltet) und
das "7G-Tronic"
Getriebe in den normalen SL´s und SLK´s
doch ein wenig träge wirkt, scheint hier endlich das perfekte
Zwischenstück zwischen Motor und Strasse erfunden worden zu sein.
Die antiquierte Wandlertechnik wurde komplett storniert und statt dessen
eine nasse Anfahrkupplung im Ölbad gezaubert.
"MCT" steht für "Multi-Clutch
Technology" und
bietet vier Betriebsmodi an, welche auch die Kennlinie des
elektronischen Gaspedals
adäquat anpassen. "C"
für den komfortablen Ritt in die Hockn, "S"
für "Wengan scheissen warads", "S+"
für "Mir steht der Stift jetzt
schon gröber in der Hose" und dann natürlich "M"
für Männer (denen isses nämlich wurscht ob eine Ladung in die Hose
geht, wenns in so
einem Wagl sitzen). Kein automatischen weiterschalten beim Erreichen des
Drehzahlbegrenzers, kein runterschalten bei Betätigung des
Kickdown Schalters. Genau so ghert des!
Für die ganz motivierten gibts noch die Stellung "RS"
was für "Race Start" steht. Ähnlich wie die
Launch Control
der "M" Modelle von
BMW bieten sie eine Art Raketenstartoption für optimale Traktion bei
geringst möglichem Wheelspin.
Dazu schaltet der Pilot das ESP auf "Sport", steigt mit dem linken Schuh
auf den Anker, dreht den Regler auf "RS", quittiert die an
Microsoft Produkte erinnernde "Wollen sie wirklich" Abfrage mit dem
rechten Paddle, latscht voll rein und wenns los gehen soll, braucht
man nur von der Bremse zu gehen. So bewegt sich der 1900kg schwere Luxus
Roadster in 4,6 Sekunden auf 100 km/h.
Das aktive, elektro-hydraulische Fahrwerk
ABC (Active Body Control) ist äusserst komfortabel und trotzdem sehr
sportlich abgestimmt.
Wie schon aus der S-Klasse und den vorherigen R230 Modellen gewohnt, kann
man die Fahrzeughöhe in zwei Stufen einstellen.
Im Grenzbereich neigt der Schlampenschlepper zu leichtem untersteuern,
sobald man den rechten Fuß Richtung Ölwanne dirigiert,
fängt das Popscherl zu tanzen an. Insgesamt sehr gut balanciert. Das
dreistufige ESP
lässt sich zwar auch vollständig deaktivieren,
beim ersten mal bremsen allerdings tritt es wieder auf den Plan. Naja,
wenn man sich erinnert, dass Mercedesmodelle ab 2000 mit
nicht abschaltbarem ESP ausgestattet waren, ist das zwar ein Schritt in
die richtige Richtung, aber trotzdem will man einen AMG-Boliden
auch mal auf der Rennstrecke bewegen und da sollte das Ding auch wirklich
aus bleiben. Vielleicht lässt sich aber softwaretechnisch
noch was basteln, denn der kleine Bruder C 63 AMG hat ein komplett
deaktivierbares Stabilitätsprogramm.
Bei einem Basispreis von
171.000 Euro
könnte man das schon erwarten.
Die großzügig
dimensionierte Sechskolben-Ankerei
des 63ers zeigte keinerlei Fading oder sonstige ungewünschten
Nebengeräusche.
Die Bereifung in 8.5 x 19"
mit 255/35/R 19
vorne und 9.5 x 19"
mit 285/30/R 19
hinten ist auch für Erwachsene.
Fazit:
"Jesus Christus bin ich geil" war das einstimmige Fazit von
Wulf und
mir nach dem Ritt auf dieser Kanonenkugel.
Der SL 63 AMG ist trotz seines Übergewichts ein Sportwagen erster Güte.
Wenn man das hatscherte Klimaradl und das nicht ganz
deaktivierbare ESP außer Acht lässt, haben die Burschen aus Affalterbach
einen perfekten Roadster auf die Räder gestellt.
Jetzt stellt sich nur noch eine Frage. Moch ma a Bank oder spiel ma Lotto?
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