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Nachdem uns BMW ja
pausenlos mit Werbespots bombardiert, in denen uns das niedliche
Hampelmännchen weiß machen will
die Bayern hätten den Allradantrieb neu erfunden, habe ich mir gedacht ich
nehme das Konzept mal unter die Lupe.
Prinzipiell stehe ich dem SUV-Hype ja kritisch gegenüber, da die
meisten Modelle nichts Halbes und nichts Ganzes sind.
Im Gelände überfordert wie Paris Hilton beim Kraftdreikampf, auf kurvigen
Landstrassen hemmt meist das verbaute
"Sponge Bob Fahrwerk" jeglichen Fahrspaß.
BMW schlägt allerdings in diesem Segment ein völlig neues Kapitel auf. Mit
dem seit dem Facelift verbauten "xDrive" System
fährt sich der X5 fast wie eine 5er Limousine. Ich hätte es im Vorfeld
nicht geglaubt wieviel Fahrspaß man mit dem Ding haben
kann. Wenn man die "Hoit er, oder hoit er ned"
Schißgrenze einmal
überwunden hat fühlt man sich beinahe wie Hans Joachim
Stuck im großen Bruder "X5 LeMans". Große Augen machte auch der Beifahrer
des Rettungswagens, den ich in einer meiner
Lieblingskurven ( A23 Richtung A2 / Abfahrt Altmannsdorf) mit 130 innen
überholt habe.
Das Prinzip des "xDrive" Systems ist denkbar einfach. Das
Fahrwerkregelsystem DSC erkennt Instabilitäten schon im Ansatz
und eine intelligente Lamellensteuerung dosiert die Antriebskraft zur
Kompensation von Unter- bzw Übersteuern.
Wie gut das System arbeitet wird der klassischen SUV Klientel größtenteils
verborgen bleiben. Die werden einfach nur
dem Nachbarn an der Reihenhausgartenzaungrenze sagen, daß ihr SUV wie auf
Schienen fährt. Dieser wird das 0815 Statement
achselzuckend und "mhmm-end" zur Kenntnis nehmen während er sich auf den
Weg rein macht um sein Desperate Housewife
zu besteigen, damit in der
Wisteria Lane keine
Aufregung entsteht.
Als Fahrer, der gerne die Grenzen des Materials erforscht kann ich
allerdings sagen, daß das System wirklich
genial ist.
Egal wie sehr man den Ottfried Fischer der Bayernpalette auch provoziert,
der Bulle bleibt ruhig. Da kann man schon mal
heftig Linksbremsen, unmotiviert in scharfen- wie auch in lang gezogenen
Kurven vom Gas gehen.....nichts. Sensationell.
Der zweite Dorn im Auge war mir der Dieselmotor. Jeder der mich kennt
weiß, daß ich dem Selbstzünderprinzip aufgrund seines
engen Nutzdrehzahlbandes und den unkultivierten Motoreigenschaften nichts
abgewinnen kann.
Nachdem ersten mal starten wusste ich auch wieder genau warum. Wenn ich
immer wieder höre wie kultiviert moderne Diesel
doch nicht sein mögen wundere ich mich warum ich die nie zu Gesicht
bekomme. Vor allem im kalten Zustand nagelt der
Motor wie ein Traktor. Bei moderater Anfahrt fällt der Motor bis 2000
Umdrehungen in ein Turboloch, daß so groß ist wie der
Auspuff von Jenny Elvers. Ab dann allerdings stehen kurzzeitig 500
Newtonmeter an, die für wirklich netten Vortrieb sorgen.
Allerdings nur bis die Leistungskurve bauartbedingt wieder abfällt. Nun
gut, Rennwagen wird ein Geländewagen mit einem
cw-Wert wie Schloß Schönbrunn sowieso nicht, also sei es ihm verziehen.
Außerdem revanchiert sich der X5 mit einem
moderaten Testverbrauch von 14 Liter Diesel.
Das 6-Gang Automatikgetriebe verrichtet seine Aufgabe in beiden
Betriebsmodi gut und unauffällig.
Sehr positiv zu erwähnen ist, daß BMW offensichtlich der einzige
Hersteller ist der es versteht die Richtung des Tiptronic
Wahlhebels richtig zu belegen. Anders als bei Audi & Co muss der Hebel zum
hochschalten zum Fahrer gezogen werden,
zum runterschalten nach vorne gedrückt werden. Das zeugt einmal mehr von
der rennsportorientierten Firmenphilosophie
der Firma BMW. Die Schalt- und Reaktionszeiten sind allerdings alles
andere als sportlich.
Die Bremsen sind ausgesprochen bissig, was auch für ambitionierte
Linksbremser eine gewisse Zeit der Gewöhnung bedarf.
Fading war auch nach längeren Bergab-Passagen nicht wirklich vorhanden. In
Anbetracht des hohen Eigengewichtes absolut
keine Selbstverständlichkeit. Die geschwindigkeitsabhängige
Lenkung
funktioniert tadellos und hatte mit den montierten
235/65/R17 auf
7,5x17"
keinerlei Probleme.
Beim Interieur gibts keine großen Überraschungen. Es gleicht im Großen und
Ganzen dem was wir aus Bayern gewohnt sind.
Der Testwagen war ziemlich komplett ausgestattet (
16:9 Navigation, Standheizung, Vollleder,
Reifendruckkontrolle,...) und
bis auf eine elektrische Sitz- und Volantverstellung wäre mir nichts
aufgefallen was mir abgehen würde.
Das serienmässige Soundsystem
kann höchstens als Durchschnittlich bezeichnet werden und ein
Kassettenspieler
hinter dem herunterklappbaren TFT Display ist alles andere als zeitgemäß
liebe Bayern.
Eine Frechheit ist allerdings die Platzierung der
Schalter für die elektrischen Fensterheber. Außer der Partie von
"Begnadete Körper" und "Afrika Afrika" fällt mir adhoc niemand ein, der
diese ohne Verrenkungen bedienen kann ohne
nachher auf Rehab fahren zu müssen. Die
Platzverhältnisse an sich sind aber
sehr gut.
Positiv zu bemerken wäre noch die
Verarbeitungsqualität, denn wenn in
einem Vorführer mit knappen 25000 Kilometer
auch bei sehr motivierter Fahrweise auf unebenen Terrain nichts scheppert,
ist das heutzutage keineswegs obligat.
Fazit:
Die
Frage ob phj in diesem Fahrzeugsegment seiner Hausmarke den Rücken
kehren würde und sich aus dem BMW Regal
bedienen würde, kann ich guten Gewissens mit einem ja beantworten. Ich
würde den X5 auch ohne lange nachzudenken
dem Porsche Cayenne vorziehen. BMW bietet hier einfach das überzeugendere
Gesamtpaket.
Da ich allerdings nageln eher im Schlafzimmer als in der Garage bevorzuge,
würde ich doch eine Motorvariante mit
Zündkerzen wählen. Das wäre dann wohl der "Jägerdöner mit Alles und
scharf"... |