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Immer
wenn in einer netten Plauderei unter Benzinbrüdern alte Memoiren
gewälzt werden darf ein Auto keinesfalls fehlen und
zwar der damalige RS 2
vom Christian, seines Zeichens der Pächter unserer leider
mittlerweile abgerissenen Agip Tankstelle.
Der von der Firma Sperrer überarbeitete 5 Zylinder Turbo war lange Zeit
das Maß aller Dinge. Deshalb war ich schon schwerst
motiviert den "Enkel" unserer Tankstellenlegende in die Finger zu
bekommen.
Audi
hat nach dem legendären 5 Zylinder Turbo und dem V6 BiTurbo gänzlich
auf Zwangsbeatmung verzichtet und liefert die
neueste Generation des A4 Topmodells mit einem hochdrehenden
V8 Saugmotor
aus.
Ob das ein Schritt in die richtige Richtung war? Ich wage es zu
bezweifeln. Das fauchen und zischen der Turbinen gehört
zu den Buchstaben "RS" wie Spare Ribs zu phj. Ich will jetzt nicht
behaupten, daß es dem aktuellen RS 4 direkt an Leistung
mangelt, aber es fehlt einfach der
ultimative Punch
den man von seinen Vorgängern gewohnt war.
Im Spurt von der Ampel drückt der Powerkombi zwar böse an, aber im
Durchzug hat man das Gefühl es hängt ein Wohnwagen
hinten dran. Natürlich kann man runter schalten, aber gerade von einem
scharfen V8 hätte ich mir da mehr erwartet.
Der Motor hängt beinahe schon zu sehr am Gas (hab ich das gesagt??).
Gemütliches dahingondeln bedarf eines sehr ruhigen
Gasfußes und einiger Übungszeit. Die giftige Kupplung trägt auch nach dazu
bei.
Kommen wir zum Besten an diesem Fahrzeug, dem
Spruch.
Man startet durch Drücken des netten Knopfes in
der Mittelkonsole
und der Achtender erwacht mit einem kurzen Bellen, das an einen hungrigen
Bären erinnert, aus seinem Schlaf.
Soweit so gut. Dann entdeckt der neugierige Mittelkonsolenforscher eine
unscheinbare Taste mit einem "S" drauf.
Sobald dieser gedrückt ist, befindet sich der RS 4 im "Lärmfahrer
sind hörbarer" Modus.
Durch intelligente Klappenmechanik a´la Porsche klingt das Ding jetzt wie
ein V8 klingen sollte. Tief brabbelnd im Drehzahlkeller,
bellend und schreiend bei hoher Drehzahl als ob es den Genforschern
endlich gelungen wäre einen Rottweiler und eine ZX9-R zu
kreuzen. Beim gemütlichen runterschalten Richtung roter Ampel kann man den
RS 4 fast nicht von einem potenten Motorrad
unterscheiden. Beim Ritt Richtung Dopplerhütte lässt man das Gerät gerne
schon mal mit voller Absicht in den Begrenzer
laufen, damit man das Auspuffbumpern so richtig genießen kann. Trotz
Lärmexzessen ein Durchschnittsverbrauch von
25 Litern.
Das 6-Gang Getriebe
lässt sich butterweich schlichten, so wie man das aus Ingolstadt
gewohnt ist.
Gott sei Dank lässt Audi seine Kunden selbst schalten und drückt ihnen
nicht irgendein langsam schaltendes Tiptronic
Konzept aufs Aug, welches dann wieder den ganzen Fahrspaß dämpft.
Auch an der Bremserei
gibts nichts zu meckern. Gegen rund 11000 Euro Aufpreis bietet Audi
als Option vorne eine Keramikanlage
an, die uns auch schon im 911 Turbo begeistert hat. Ob die einem den
Aufpreis wert ist, muß jeder für sich entscheiden.
Beim Fahrwerk
werden sich die Geister wohl scheiden. Klar, daß ein Kaliber wie der
RS 4 keinen Federungskomfort a´la Maybach
bietet, aber für den Alltagsgebrauch ist der Edelkombi einfach zu hart
abgestimmt. Kurze Stöße werden 1:1 an die
Insassen weiter gegeben. Sollte man vorhaben öfter mal die Erboma aus dem
Heim zu holen um seinen Kontostand zu pimpen,
sollte der Oldtimer sicherheitshalber die Kukident Extreme-Edition
ausfassen da sonst die Gefahr besteht, daß Omi nach drei
Häuserblöcken die Beißleiste im Fußraum wiederfindet.
Bei einem so mit Elektronik bepacktem Fahrzeug hätte eigentlich für ein
Fahrwerk, daß man vom Innenraum aus härter und weicher
stellen kann, auch noch Platz sein müssen. Konzernbruder Porsche hat das
zum Beispiel mit der "Sport" Taste sehr gut
gelöst. Und gerade bei einem Sportwagen im Schafspelz ist diese fehlende
Option als grober Patzer zu werten.
Von der Straßenlage her gibts gewohntes
quattro-feeling. Auf der an manchen
Stellen ein wenig rutschigen Exelbergstrasse
kann man den RS 4 elegant um die Ecken jagen. Leicht untersteuernd in die
Kurve, drauf aufs Gas und der Audi zieht mit leicht
übersteuernder Tendenz wie auf Schienen in Richtung der nächsten Geraden.
Das Stabilitätsprogramm ESP
greift leider auch in deaktiviertem Zustand leicht ein und
verhindert so zu spektakuläre Driftwinkel.
Sollte bei einem Fahrzeug dieser Klasse auch nicht sein, denn für
gewöhnlich wissen Fahrer solcher Autos was sie tun.
Das Interieur
ist klassisch Audi. In der ersten Reihe bietet der RS 4 genügend
Platz, auch für breite Kollegen. Im Fond gehts dafür
schon um einiges enger zu, besonders wenn einer der vorher genannten
Breitbildkollegen am Volant sitzt. Die Ergonomie ist bis
auf Ausnahme der Tasten für die Sitzmemoryfunktionen gut durchdacht. Um
die Speicherplätze des Fahrersattels aufzurufen
muß man ähnlich verbaut sein wie um an die Fensterheberschalter im X5 zu
kommen.
Der Positionierung der elektrischen Sitzverstellung am Sitz kann ich als
eingefleischter Mercedesfahrer auch nichts abgewinnen.
Das Armaturenbrett und die Mittelkonsole sind mit Leder bezogen, wobei man
aber erst hingreifen muß um es als solches zu
indentifizieren. Ablagen sind genügend vorhanden und die Armaturen sind
gut lesbar. Besonders gut hat mir das FIS Display
(Fahrerinformationssystem) gefallen. Die weißen Ziffern auf schwarzem
Hintergrund sind mal was neues gegenüber dem blau/rot
beleuchteten Einheitschmafu. Das geile Lenkrad mit der flachen Unterseite,
daß wir aus dem Prospekt kennen ist zwar laut
Homepage serienmässig, kostet aber nach Auskunft des Händlers 3800 Euro
Aufpreis.
Das im Testwagen verbaute BOSE Soundsystem
klingt zwar gut, aber lange nicht so gut wie im Porsche 911.
Fazit:
Das
Konzept des Rennkombis hat in all den Jahren nichts an Faszination
verloren. Bei der Umsetzung im aktuellen RS 4 hat
Audi aber ein wenig gepatzt. Zu hart und giftig im Alltag, zu wenig Punch
im Durchzug, keine fauchenden Turbos.
Dafür bekommt man eine Ahnung wie es klingen würde wenn man auf einem
Kampfhund eine Akrapovic Anlage montieren würde.
Um es in einem Satz zu formulieren..."Back to the roots, Audi"... |