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BMW X5 3.0d (E53)

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Leistung: 218 PS
Drehmoment: 500 Nm von 2000 – 2750 upm
Zylinder: 6
Hubraum: 2993 ccm³
Eigengewicht: 2180 kg
Beschleunigung 0-100 km/h: 8,8 sek
Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
Antrieb: xDrive Allradantrieb, 6-Gang Automatik mit Steptronic
Standort: Wien
Fahrer: phj
Beifahrer: Ederl, Thomas
Charakteristik: Jägerdöner mit Alles

Nachdem uns BMW ja pausenlos mit Werbespots bombardiert, in denen uns das niedliche Hampelmännchen weiß machen will
die Bayern hätten den Allradantrieb neu erfunden, habe ich mir gedacht ich nehme das Konzept mal unter die Lupe.

Prinzipiell stehe ich dem SUV-Hype ja kritisch gegenüber, da die meisten Modelle nichts Halbes und nichts Ganzes sind.
Im Gelände überfordert wie Paris Hilton beim Kraftdreikampf, auf kurvigen Landstrassen hemmt meist das verbaute
„Sponge Bob Fahrwerk“ jeglichen Fahrspaß.

BMW schlägt allerdings in diesem Segment ein völlig neues Kapitel auf. Mit dem seit dem Facelift verbauten „xDrive“ System
fährt sich der X5 fast wie eine 5er Limousine. Ich hätte es im Vorfeld nicht geglaubt wieviel Fahrspaß man mit dem Ding haben
kann. Wenn man die „Hoit er, oder hoit er ned“ Schißgrenze einmal überwunden hat fühlt man sich beinahe wie Hans Joachim
Stuck im großen Bruder „X5 LeMans“. Große Augen machte auch der Beifahrer des Rettungswagens, den ich in einer meiner
Lieblingskurven ( A23 Richtung A2 / Abfahrt Altmannsdorf) mit 130 innen überholt habe.

Das Prinzip des „xDrive“ Systems ist denkbar einfach. Das Fahrwerkregelsystem DSC erkennt Instabilitäten schon im Ansatz
und eine intelligente Lamellensteuerung dosiert die Antriebskraft zur Kompensation von Unter- bzw Übersteuern.
Wie gut das System arbeitet wird der klassischen SUV Klientel größtenteils verborgen bleiben. Die werden einfach nur
dem Nachbarn an der Reihenhausgartenzaungrenze sagen, daß ihr SUV wie auf Schienen fährt. Dieser wird das 0815 Statement
achselzuckend und „mhmm-end“ zur Kenntnis nehmen während er sich auf den Weg rein macht um sein Desperate Housewife
zu besteigen, damit in der Wisteria Lane keine Aufregung entsteht.
Als Fahrer, der gerne die Grenzen des Materials erforscht kann ich allerdings sagen, daß das System wirklich genial ist.
Egal wie sehr man den Ottfried Fischer der Bayernpalette auch provoziert, der Bulle bleibt ruhig. Da kann man schon mal
heftig Linksbremsen, unmotiviert in scharfen- wie auch in lang gezogenen Kurven vom Gas gehen…..nichts. Sensationell.

Der zweite Dorn im Auge war mir der Dieselmotor. Jeder der mich kennt weiß, daß ich dem Selbstzünderprinzip aufgrund seines
engen Nutzdrehzahlbandes und den unkultivierten Motoreigenschaften nichts abgewinnen kann.
Nachdem ersten mal starten wusste ich auch wieder genau warum. Wenn ich immer wieder höre wie kultiviert moderne Diesel
doch nicht sein mögen wundere ich mich warum ich die nie zu Gesicht bekomme. Vor allem im kalten Zustand nagelt der
Motor wie ein Traktor. Bei moderater Anfahrt fällt der Motor bis 2000 Umdrehungen in ein Turboloch, daß so groß ist wie der
Auspuff von Jenny Elvers. Ab dann allerdings stehen kurzzeitig 500 Newtonmeter an, die für wirklich netten Vortrieb sorgen.
Allerdings nur bis die Leistungskurve bauartbedingt wieder abfällt. Nun gut, Rennwagen wird ein Geländewagen mit einem
cw-Wert wie Schloß Schönbrunn sowieso nicht, also sei es ihm verziehen. Außerdem revanchiert sich der X5 mit einem
moderaten Testverbrauch von 14 Liter Diesel.

Das 6-Gang Automatikgetriebe verrichtet seine Aufgabe in beiden Betriebsmodi gut und unauffällig.
Sehr positiv zu erwähnen ist, daß BMW offensichtlich der einzige Hersteller ist der es versteht die Richtung des Tiptronic
Wahlhebels richtig zu belegen. Anders als bei Audi & Co muss der Hebel zum hochschalten zum Fahrer gezogen werden,
zum runterschalten nach vorne gedrückt werden. Das zeugt einmal mehr von der rennsportorientierten Firmenphilosophie
der Firma BMW. Die Schalt- und Reaktionszeiten sind allerdings alles andere als sportlich.

Die Bremsen sind ausgesprochen bissig, was auch für ambitionierte Linksbremser eine gewisse Zeit der Gewöhnung bedarf.
Fading war auch nach längeren Bergab-Passagen nicht wirklich vorhanden. In Anbetracht des hohen Eigengewichtes absolut
keine Selbstverständlichkeit. Die geschwindigkeitsabhängige Lenkung funktioniert tadellos und hatte mit den montierten
235/65/R17 auf 7,5×17″ keinerlei Probleme.

Beim Interieur gibts keine großen Überraschungen. Es gleicht im Großen und Ganzen dem was wir aus Bayern gewohnt sind.
Der Testwagen war ziemlich komplett ausgestattet ( 16:9 Navigation, Standheizung, Vollleder, Reifendruckkontrolle,…) und
bis auf eine elektrische Sitz- und Volantverstellung wäre mir nichts aufgefallen was mir abgehen würde.
Das serienmässige Soundsystem kann höchstens als Durchschnittlich bezeichnet werden und ein Kassettenspieler
hinter dem herunterklappbaren TFT Display ist alles andere als zeitgemäß liebe Bayern.
Eine Frechheit ist allerdings die Platzierung der Schalter für die elektrischen Fensterheber. Außer der Partie von
„Begnadete Körper“ und „Afrika Afrika“ fällt mir adhoc niemand ein, der diese ohne Verrenkungen bedienen kann ohne
nachher auf Rehab fahren zu müssen. Die Platzverhältnisse an sich sind aber sehr gut.
Positiv zu bemerken wäre noch die Verarbeitungsqualität, denn wenn in einem Vorführer mit knappen 25000 Kilometer
auch bei sehr motivierter Fahrweise auf unebenen Terrain nichts scheppert, ist das heutzutage keineswegs obligat.

Fazit:

Die Frage ob phj in diesem Fahrzeugsegment seiner Hausmarke den Rücken kehren würde und sich aus dem BMW Regal
bedienen würde, kann ich guten Gewissens mit einem ja beantworten. Ich würde den X5 auch ohne lange nachzudenken
dem Porsche Cayenne vorziehen. BMW bietet hier einfach das überzeugendere Gesamtpaket.
Da ich allerdings nageln eher im Schlafzimmer als in der Garage bevorzuge, würde ich doch eine Motorvariante mit
Zündkerzen wählen. Das wäre dann wohl der „Jägerdöner mit Alles und scharf“…

phj

About phj

funkenschuasta / kerkermeister / pseudowebdesigner / fotograf / hobby-gynäkologe / roadrunner / querdenker / geek / cabriofanatiker / rollerquäler / urgestein / schuhfetischist / mercedes-nerd / unternehmer / serienjunkie