Roadrunner in der Polizeizeitung

 

Hier ein Copy & Paste aus der Online Polizeizeitung

So viel Stuss auf einem Haufen hab ich schon lange nicht mehr gelesen.

Warnblinkanlage heisst plötzlich "Ich will hatzen", Fingerzeichen sind komischerweise

nicht mehr der signalisierte Gang bei einem fliegenden Start, sondern einen Geldbetrag *loooooooool*

Und das hatzen haben die Gänserndorfer erfunden, eh kloa!

Danke an hatzer.at für den Tip. Selten so gelacht!

 

ROADRUNNER
 

Mit Vollgas durch den Tunnel

Burschen liefern sich mit aufgemotzten Autos Wettrennen – um Geld, Benzin oder Prestige. Die Wiener Polizei setzt gezielt Schwerpunkte gegen die so genannten "Roadrunner".

Die Tachonadel steigt, die Autoinsassen fangen an zu johlen, in wenigen Sekunden hat der Opel Calibra 260 km/h erreicht. Ein Lenker rast mit enormer Geschwindigkeit durch einen Tunnel. Mit der Geschwindigkeit steigt der Nervenkitzel. Der ultimative Kick. Die absolute Gefahr. Solche Szenen sind in Videoclips zu sehen, die von "Roadrunnern" ins Internet (www.hatzer.at) gestellt werden. Im letzten Jahr ereigneten sich in Wien bei Wettrennen der "Roadrunner" mehrere schwere Unfälle, es gab einen Toten.

Freitag, 22 Uhr. Zwölf Beamte der Verkehrsabteilung der Wiener Polizei rücken aus, zur wöchentlichen Sonderaktion "Roadrunner". Die Polizisten fahren in Zivilstreifenwagen, die mit einer Videoanlage zur Aufzeichnung der Geschwindigkeit ausgerüstet sind. Zum Erfassen der Geschwindigkeit ist eine Mindeststrecke erforderlich. Das Gerät misst die gefahrene Zeit, die gefahrene Strecke und errechnet daraus die Durchschnittsgeschwindigkeit, die der Raser gefahren ist.
In dieser Nacht halten die Beamten speziell Ausschau nach Fahrzeugen, die technische Veränderungen aufweisen wie ein markant tiefer gelegtes Fahrwerk oder protzige Front- und Heckspoiler. In den aufgemotzten Boliden sitzen Burschen, die oft nächtelang durch die Stadt fahren und auf ein "Hatzerl" (Rennen) warten. "Sie geben untereinander durch Zeichen wie kurzes Einschalten der Alarmblinkanlage zu verstehen, dass sie für ein Rennen bereit sind", erläutert Einsatzleiter Martin Kalteis. "Manchmal lassen sie sich bei Kreuzungen zurückfallen. Der übrige Verkehr wird dadurch auf allen Fahrspuren blockiert und die Bahn ist frei für das nächste Rennen. Dann wird mit den Fingern der Wetteinsatz angezeigt. Ein Finger bedeutet 100 Euro, zwei Finger 200 Euro." Bei stationären Radarkabinen wird vorher getestet, ob sie aktiviert sind.

Die "Roadrunner" sind vorwiegend junge Menschen. Viele haben noch den Probeführerschein. Sie kaufen alte Autos und stecken viel Geld in die Umbauten. Bei Anhaltungen haben sie keinen Cent in der Tasche, "müssen sammeln, damit sie das Organmandat bezahlen können", berichtet Revierinspektor Andreas Köck.
Die Autos mit den protzigen Heckflügeln und Frontspoilern, dem tiefer gelegten Fahrwerk, der 250 Watt Stereoanlage, dem "bösen Blick", sind die Statussysmbole der Burschen. Die Umbauten entsprechen in wenigsten Fällen den Vorschriften, da sie meist im Pfusch gemacht werden. Es soll einige Autohändler geben, die getunte Autos verkaufen, die nicht den Vorschriften entsprechen, sagen die Polizisten. Die aufgemotzten Autos alleine genügen den Burschen nicht. "Sie wollen sich in Rennen profilieren, in der Szene aufsteigen und ihren Mädchen imponieren. Es gibt Stars und Superstars in der Szene", erläutert Major Kalteis.

Die "Roadrunner"-Szene entstand vor etwa sieben Jahren. "Damals haben sich junge Leute vom VW-Club Gänserndorf/Deutsch Wagram auf einem Übungsplatz in Wien Floridsdorf getroffen, ihre Boliden präsentiert und Wettfahrten gemacht", berichtet Andreas Köck, der die Entwicklung der "Roadrunner-Szene" seit Anbeginn verfolgt hat. Die Club-Mitglieder führten auf der Kennzeichenhalterung die Aufschrift "Roadrunner". Beliebte Treffpunkte sind heute Tankstellen im Bereich der Triester Straße und des Gaudenzdorfer Gürtels.

Die Zivilstreife fährt gegen 22.40 Uhr bei einer Tankstelle vorbei. Auf dem Parkplatz tummeln sich etwa 20 bis 30 junge Männer. Sehen und gesehen werden, lautet die Devise. Es ist fast so wie in der Disko. Die Burschen tragen Goldkettchen und Lederjacken. Das Qutfit ist hier jedoch Nebensache, was zählt sind der richtige Spoiler, der größte Auspuff, die meisten PS. Damit wollen sie ihre Mädchen, aber auch andere Autonarren beeindrucken.

Zuerst wird palavert, dann aufs Gas gestiegen. Einige fahren Rennen, nur für einen Tank Benzin, einen "guten Oktan". Beliebte "Rennstrecken" sind die Triester, Laxenburger und Wagramer Straße, die Reichsbrücke, der Gürtel, der Tunnel auf der A 22. In Niederösterreich ist die Shopping City Süd ein häufiger Treffpunkt. Von dort gibt es Wettrennen auf der Strecke der Südautobahn bis Guntramsdorf.
Durch intensive Kontrollen der Polizei und Führerschein- und Kennzeichenabnahmen sind die Burschen vorsichtiger geworden. Vor allem die Taktik der Polizei, verdächtige Autos bereits vor einem möglichen Rennen anzuhalten und technisch überprüfen zu lassen, hat zu einem Rückgang der Wettrennen auf öffentlichen Straßen geführt. Major Kalteis und Revierinspektor Köck haben ein geübtes Auge. Sie erkennen, ob ein Fahrzeug serienmäßige Umbauten aufweist, oder ob die technischen Veränderungen nicht den Vorschriften entsprechen.

22.55 Uhr, Triester Straße. Den Beamten fällt ein schwarzer Golf auf. Mit eingeschaltetem Blaulicht wird der Wagen angehalten. Drei junge Burschen sitzen im Fahrzeug. Der Lenker weist den Beamten sofort Führerschein, Zulassungsschein und Genehmigungen vor. Polizist Köck prüft den Bodenabstand des Fahrzeugs mit einem Verbandskasten. Dieser ist acht Zentimeter hoch und hat gerade Platz. Die erlaubte Mindestbodenfreiheit beträgt elf Zentimeter. Köck behält die Dokumente vorerst und fordert den Lenker des Golfs auf, der Polizei in die Landesprüfanstalt (LPA) zu folgen, wo das Fahrzeug technisch überprüft wird.
Der Zivilstreifenwagen fährt voran, dahinter der Golf. Auf dem Weg zur LPA fällt Köck ein weißer Mercedes 190 mit tiefer gelegtem Fahrwerk auf. Er wird angehalten, zwei junge Burschen sitzen im Fahrzeug. Die gleiche Prozedur. Auch der Mercedes fährt mit zur LPA.

Dort werden die Fahrzeuge auf "Herz und Nieren" überprüft: Bremsen, Lenkung, Motor und vor allem die technischen Umbauten. Im Umkreis von zehn Kilometern zum Ort der Überprüfung darf die Polizei Fahrzeuge zur technischen Überprüfung der LPA vorführen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass Mitarbeiter der LPA mit dem mobilen Prüfzug zu dem Ort der Anhaltung kommen. Technisch versierte Polizisten überprüfen gesetzwidrige Umbauten an Autos selbst.
Bei Gefahr im Verzug werden die Kennzeichen abgenommen; zwei bis neun Kennzeichen pro "Roadrunner"-Schwerpunkt. Schwere Mängel werden angezeigt.

Information und Aufklärung. Die jungen Burschen sind sich der Folgen ihres Verhaltens kaum bewusst. Die Alters-klasse der 15- bis 24-Jährigen hat die höchste Unfallrate im Straßenverkehr. Deshalb setzen die Beamten der Verkehrsabteilungen der Polizei und Gendarmerie jetzt vermehrt auf Aufklärung in den Berufsschulen. Schnellfahren und Alkohol im Verkehr sind keine Kavaliersdelikte. Die Exekutivbeamten machen den Jugendlichen die Folgen ihres unbesonnenen Handelns bewusst: Welche Strafen sie erwarten, wie lange der Führerscheinentzug dauert, was die Nachschulung kostet.
Siegbert Lattacher

AUSBILDUNG

Umbauten und Auflagen

In der berufsbegleitenden Fortbildung informieren Beamte der Verkehrsabteilung ihre Kollegen aus den Bezirken über die Roadrunner-Szene. Für einen nicht speziell geschulten Streifenbeamten ist es schwierig, gesetzwidrige technische Umbauten am Auto zu erkennen. "Die meisten Burschen aus der Roadrunner-Szene wissen, was sie dürfen und was nicht – und versuchen dadurch die Kollegen zu beeinflussen. Die Materie ist nicht so kompliziert, wie es den Anschein erweckt, wenn man es richtig erklärt bekommt", sagt Polizist Andreas Köck.

Die wichtigsten Punkte bei der Überprüfung eines getunten Fahrzeugs sind: Reifen/Felgen dürfen nicht über die Karosserie hinausragen. Bei Fahrwerks-Änderungen muss der Mindestabstand zwischen Boden und festen Fahrzeugteilen elf Zentimeter und bei beweglichen Teilen wie Spoiler acht Zentimeter betragen. Bei Lenkrädern muss der Durchmesser mindestens 33 Zentimeter sein. Spoiler dürfen nicht leicht splittern und es darf keine scharfen Kanten geben. Der Lenker eines technisch veränderten Fahrzeugs muss neben Führerschein und Zulassungsschein folgende Dokumente mitführen: Typenschein, Bescheid über Einzelgenehmigung, Gutachten eines Ziviltechnikers, Bauartgenehmigung (ABE), TÜV-Gutachten, Prüfbericht gem. § 57a KFG, Änderungsgenehmigungsbescheid.
Weitere Informationen über Änderungen an Fahrzeugen gibt es in der Wiener Landesfahrzeugprüfstelle, 1110 Wien, Haidequerstraße 5, Telefon (01) 4000-9220, E-Mail: post.lfp@m46.magwien.gv.at, Internet: http://www.wien.gv.at/verkehr/organisation/pruefst.htm sowie in den Landesfahrzeugprüfstellen der anderen Bundesländer.

TIPPS

Änderungen am Kfz

  • Schon beim Fahrzeugkauf alle Veränderungen des Serienzustandes durch Gutachten oder Genehmigungen nachweisen lassen.
  • Vor Änderungen an Reifen/Felgen unbedingt die genehmigten Rad-Reifenkombinationen im Typenschein nachlesen. Die zulässigen Dimensionen liegen auch beim Reifenhändler auf.
  • Beim Zubehör auf Produktgenehmigungen achten. Diese sollten den Produkten beiliegen. Es empfiehlt sich, die Genehmigungen im Fahrzeug mitzuführen (Kopie genügt).
  • Grundsätzlich ist jede Änderung am Fahrzeug dem zuständigen Landeshauptmann anzuzeigen.
  • Genehmigungsfrei sind Produkte, die bereits vom Hersteller typengenehmigt wurden oder über eine EU-Zulassung verfügen (Auspuff, Rückleuchten, Tönungsfolien, Scheinwerfer).
  • Ein abgenommenes Kennzeichen wird erst nach Überprüfung des Fahrzeuges durch die Bundesprüfanstalt und ein positives Gutachten der Bundesprüfanstalten ausgefolgt. Dort muss das Fahrzeug im gesetzmäßigen Zustand vorgeführt werden.

BPD Wien

Verkehrsabteilung

In der Verkehrsabteilung der Bundespolizeidirektion Wien versehen 346 Beamte Dienst. Sie ist unterteilt in die "Motorisierte Streife", die Radar-Gruppe, das Verkehrsunfallkommando, die Verkehrziehungsgruppe und die Verkehrsleitzentrale. Außerdem betreut die Verkehrsabteilung die Parkraumüberwachungsgruppe (69 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter) der Magistratsabteilung 67. Die stärkste Einheit ist die "Motorisierte Streife" mit 178 Beamtinnen und Beamten.
 

 

 

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