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Mercedes SL 63 AMG (R230)

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Leistung: 525 PS
Drehmoment: 630 Nm @ 5200 upm
Zylinder: 8
Hubraum: 6208 ccm³
Eigengewicht: 1895 kg
Beschleunigung 0-100 km/h: 4,6 sek
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Antrieb: Heckantrieb, 7-Gang AMG Speedshift MCT
Standort: Wien
Fahrer: phj
Beifahrer: Wulfman
Charakteristik: Petrolheads Heaven

Schon als Jungspund haben es mir die magischen zwei Buchstaben „SL“ angetan und wie der Stammleser weiß, konnte ich mir
2004 diesen Traum erfüllen. Seit meinem Modell hat sich in Stuttgart einiges getan. Der Nachfolger R230 hat in der Zwischenzeit
seine zweite Modellpflege hinter sich und präsentiert sich mit -zugegeben etwas gewöhnungsbedürftiger- CLS Front.
Gott sei Dank wirkt der „MOPF II“ in Echt schöner als auf Fotos. Die Linienführung wurde belassen so wie sie war, einzig ein paar
Details wurden geändert, wie zum Beispiel die Finnen am Kotflügel. Warum die allerdings in Kontrastfarben lackiert werden,
bleibt mir ein Rätsel. Schaut a bissl aus wie z´fleiß. Aber was solls, wenn man sich die Rodel leisten kann,
wirds am Lackierer auch nicht scheitern.

Voll motiviert hab ich am 20. Juni den zweitstärksten Mercedes Roadster in Empfang genommen. Da ich am Morgen noch das online
manual auf der englischen Webseite gelesen habe, gabs keine größeren Überraschungen mit der Klaviatur.
Man pflanzt seinen Hintern auf die noble Kuhhaut und beginnt mal die Unzahl an elektrischen Gimmicks zu probieren.
Und löblicherweise gibts auch hier keinerlei Unklarheiten, wenn man schon mal Mercedes gefahren ist.
Platz ist ausreichend vorhanden, die Verarbeitung wäre perfekt, wenn da nicht das Wahlrad der Innentemperatur wäre.
(Ich betone absichtlich Innentemperatur, denn bei den ganzen Innovationen wirds sicher auch mal einen Aussentemperaturregler
geben). Ich verstehs nicht, da hat man feinste Materialien, ein innovatives Gesamtkonzept und dann hat das kleine Einstellrädchen
mehr Spiel als die Vorhaut vom Peitscherl. Da sollten die Jungs wirklich nachbessern.

Vom allerfeinsten hingegen sind die Sesseln. Feinstes Nappa Leder, elektrisch verstellbar, beheizbar, belüftbar und sollte der
Manga Porno am Comand System zum rubbeln verleiten, man aber keine Hand frei hat, kann man sich zumindest den
Hintern massieren lassen. Eine der Innovationen ist auch, dass endlich das geniale AIRSCARF System in den SL adaptiert wurde.
Durch den warmen Luftzug im Genick verlängert sich die Cabrio Saison um einige Monate. Optional könnte man sich noch
Alfons Haider hinter das Gestühl packen, aber da hol ich mir die warme Luft dann doch lieber von der Heizung.
Ergonomietechnisch wurde der perfekte Kompromiss zwischen Komfort und Sportlichkeit gefunden.
Das AMG Lenkrad liegt perfekt in der Hand, die Schaltpaddles haben einen exakten Druckpunkt und die gewohnten Lenkradtasten
für die wichtigsten Funktionen sind auch drauf. Die Mittelkonsole ist -wenn man den Funktionsumfang dieses Fahrzeugs berücksichtigt-
sehr übersichtlich gelungen. Klar, um alle Features kennen zu lernen braucht man schon ein bissl, aber die Basics klappen auf Anhieb.
Vorführmodelle von Top Varianten sind bei Mercedes ja bekanntlich ziemlich voll eingeräumt und der 63er macht hier keine Ausnahme.
Distronic, Dachfernbedienung, SBC, BAS, Bi-Xenon, PTS, Harman Kardon Soundsystem und vielem mehr.

Das Herzstück des SL 63 AMG ist natürlich der dicke fette V8 unter der Haube. Wie oft haben wir schon in Prospekten gelesen
wie rennsportnahe das Fahrzeug XY denn nicht sei („Eben noch mit Röhrl auf der Nordschleife,  jetzt schon mitn Pepi Onkel auf der Tangente“).
Aber hier wird ein komplett neues Kapitel aufgeschlagen. Das Triebwerk hat einen Akzent, das einem die Eier zu pulsieren beginnen.
Abgrundtief stöhnt der V8 bei jeder Drehzahl als würde man Mutter Beimer mit der Brunnenröhre vögeln. Wie der Auspuff durch den TÜV
gerutscht ist, ist mir absolut schleierhaft. Beim Gas geben In Neutralstellung brüllt, schießt und blubbert das Ding, man kann es
einfach nicht in Worte fassen. Das ist mit Abstand die genialste Serienauspuffanlage, die ich je gefahren bin.
Der Drehmomentverlauf ist ziemlich konstant. Ab Leerlauf stehen 500Nm zur Verfügung, 630Nm sinds bei 5200 Umdrehungen.
Aus dem Keller beschleunigt der doch ein wenig übergewichtige Roadster subjektiv um einiges besser als z.B. der Audi RS4.
Beeindruckend ist mit 102,2 zu 94,6 mm das Verhältnis Bohrung zu Hub. Ebenso beeindruckend ist der entgleiste Gesichtsausdruck
des Fahrers wenn das erste mal die Sprudeloase anvisiert wird. Nach knapp 80 Kilometern (schwerst) motivierter Fahrt gluckerten mal
26,5 Liter Sprit ins Heck. Aber schon die gute 100 oktanige Ware. Das ergibt einen phj Verbrauch von 34 Liter auf 100 Kilometer.
Aber was solls, für Strumpfhosenträger, Grün-Wähler und Holländer gibts ja andere Vehikel.

Das auf den Namen „AMG Speedshift MCT“ hörende 7-Gang Automatikgetriebe ist ein absolutes Gustostückerl.
Während DSG ja schon gut ist (nur leider selbstständig hoch schaltet) und das „7G-Tronic“ Getriebe in den normalen SL´s und SLK´s
doch ein wenig träge wirkt, scheint hier endlich das perfekte Zwischenstück zwischen Motor und Strasse erfunden worden zu sein.
Die antiquierte Wandlertechnik wurde komplett storniert und statt dessen eine nasse Anfahrkupplung im Ölbad gezaubert.
„MCT“ steht für „Multi-Clutch Technology“ und bietet vier Betriebsmodi an, welche auch die Kennlinie des elektronischen Gaspedals
adäquat anpassen. „C“ für den komfortablen Ritt in die Hockn, „S“ für „Wengan scheissen warads“, „S+“ für „Mir steht der Stift jetzt
schon gröber in der Hose“ und dann natürlich „M“ für Männer (denen isses nämlich wurscht ob eine Ladung in die Hose geht, wenns in so
einem Wagl sitzen). Kein automatischen weiterschalten beim Erreichen des Drehzahlbegrenzers, kein runterschalten bei Betätigung des
Kickdown Schalters. Genau so ghert des!
Für die ganz motivierten gibts noch die Stellung „RS“ was für „Race Start“ steht. Ähnlich wie die Launch Control der „M“ Modelle von
BMW bieten sie eine Art Raketenstartoption für optimale Traktion bei geringst möglichem Wheelspin.
Dazu schaltet der Pilot das ESP auf „Sport“, steigt mit dem linken Schuh auf den Anker, dreht den Regler auf „RS“, quittiert die an
Microsoft Produkte erinnernde „Wollen sie wirklich“ Abfrage mit dem rechten Paddle, latscht voll rein und wenns los gehen soll, braucht
man nur von der Bremse zu gehen. So bewegt sich der 1900kg schwere Luxus Roadster in 4,6 Sekunden auf 100 km/h.

Das aktive, elektro-hydraulische Fahrwerk ABC (Active Body Control) ist äusserst komfortabel und trotzdem sehr sportlich abgestimmt.
Wie schon aus der S-Klasse und den vorherigen R230 Modellen gewohnt, kann man die Fahrzeughöhe in zwei Stufen einstellen.
Im Grenzbereich neigt der Schlampenschlepper zu leichtem untersteuern, sobald man den rechten Fuß Richtung Ölwanne dirigiert,
fängt das Popscherl zu tanzen an. Insgesamt sehr gut balanciert. Das dreistufige ESP lässt sich zwar auch vollständig deaktivieren,
beim ersten mal bremsen allerdings tritt es wieder auf den Plan. Naja, wenn man sich erinnert, dass Mercedesmodelle ab 2000 mit
nicht abschaltbarem ESP ausgestattet waren, ist das zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber trotzdem will man einen AMG-Boliden
auch mal auf der Rennstrecke bewegen und da sollte das Ding auch wirklich aus bleiben. Vielleicht lässt sich aber softwaretechnisch
noch was basteln, denn der kleine Bruder C 63 AMG hat ein komplett deaktivierbares Stabilitätsprogramm.
Bei einem Basispreis von 171.000 Euro könnte man das schon erwarten.

Die großzügig dimensionierte Sechskolben-Ankerei des 63ers zeigte keinerlei Fading oder sonstige ungewünschten Nebengeräusche.
Die Bereifung in 8.5 x 19″ mit 255/35/R 19 vorne und 9.5 x 19″ mit 285/30/R 19 hinten ist auch für Erwachsene.

Fazit:
„Jesus Christus bin ich geil“ war das einstimmige Fazit von Wulf und mir nach dem Ritt auf dieser Kanonenkugel.
Der SL 63 AMG ist trotz seines Übergewichts ein Sportwagen erster Güte. Wenn man das hatscherte Klimaradl und das nicht ganz
deaktivierbare ESP außer Acht lässt, haben die Burschen aus Affalterbach einen perfekten Roadster auf die Räder gestellt.
Jetzt stellt sich nur noch eine Frage. Moch ma a Bank oder spiel ma Lotto?

phj

About phj

funkenschuasta / kerkermeister / pseudowebdesigner / fotograf / hobby-gynäkologe / roadrunner / querdenker / geek / cabriofanatiker / rollerquäler / urgestein / schuhfetischist / mercedes-nerd / unternehmer / serienjunkie