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Opel Cascada Cosmo

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Leistung: 140 PS
Drehmoment: 200Nm @ 1850 – 4900 upm
Zylinder: 4 mit Turbolader
Hubraum: 1362cm³
Eigengewicht: ~1750 kg
Beschleunigung 0-100 km/h: 10,9 sek
Höchstgeschwindigkeit: 207 km/h
Antrieb: Front mit 6 Gang Handschaltung
Standort: Opel Kandl
Fahrer: phj
Beifahrer: Wulfman
Charakteristik: Motorraum…ist da jemand?

Opel und das Image, eine neverending story. Selten werden Produkte einer Marke vom Unterbewusstsein so blitzschnell in eine Schublade gesteckt, das haben die Rüsselsheimer echt drauf. Manta bzw. Calibra -> Prolet, Astra bzw. Vectra -> Rostschissl, Rekord bzw. Omega -> Großvoda oder Tschusch. Die zurückhaltende Designsprache der letzten Jahre ließen die Modelle eigentlich völlig vom Radar des durchschnittlichen Petrol Heads verschwinden. Einzige Ausnahme bildete da eigentlich nur der Opel GT.

Nachdem die Konzernmutter GM nach der Wirtschaftskrise gerade noch mal so die Kurve gekriegt hat, dürften die nicht nur die Finanzspritze, sondern auch den Rezeptblock ausgepackt haben und verschrieben dem Schlafmännlein Gremium in Rüsselsheim das dringend benötigte Paar Hoden. Denn nur mit gut befüllten Eiern lassen sich interessante Fahrzeuge schaffen. Einer der ersten Sprösslinge der Generation „Opel got balls“ ist der Cascada. Als ich vor einigen Monaten auf der A23 das Teil zum ersten mal gesehen habe, dachte ich „Ja aber Hallo, wer bistn Du? Opel??Naaa, oder??“ Typenbezeichnung gegoogelt, Probefahrt ausgemacht.

Von außen wirkt der Cascada für einen Opel sehr edel. Einer der wenigen Fahrzeuge, die in Natura weit besser aussehen als auf Fotos.
Die 19 Zöller passen perfekt zum Blechkleid. Nicht zu klein und auch ned übertrieben. Apropos Blechkleid…Am hinteren Radkasten kann man sehr schön die Spuren unserer vertrottelten österreichischen Typisierungsgesetze erkennen.
Ein Designelement hab ich persönlich noch nie bei einem anderen Fahrzeug gesehen. Wenn man sich zum Heck des Fahrzeugs bemüht und den Kofferraum öffnet, findet man dort unter anderem einen zweiten Satz Heckleuchten. Was ned ois gibt außer Tisch und Sesseln.
Platz bietet der Kofferraum ned wirklich berauschend, dafür lässt er sich (wie auch das Verdeck) via Fernbedienung öffnen.

Im Innenraum finde auch ich mit meinen Jungelefanten Proportionen ausreichend Platz, der Sessel musste nicht mal ganz nach hinten.
Sitzposition ist angenehm, Lenkrad lässt sich in der Höhe verstellen. Polsterung der in diesem Modell verbauten AGR-Stoffsitzen sieht nicht nur gut aus, bietet auch ausreichend Seitenhalt. Würde mich persönlich aber trotzdem eher für Leder entscheiden, denn jede Woche Stoffsitze putzen is a Hockn für Leut, die Voda und Mutter umbrocht ham. Bei der Mittelkonsole werden die Meinungen wohl auseinander gehen.
Mir persönlich sind einzelne Knöpferln zehnmal lieber als mich durch unzählige (vielleicht noch träge) Menüs zu kämpfen.
Das 7 Zoll non-touch Display ist intelligent im Schatten platziert und bietet gute Anzeige der Metatags im Audiomodus.

Das serienmässige Standard Soundsystem klingt sowohl geschlossen, als auch offen sehr gut. Meine Dire Straits Session am Praterstern hams wahrscheinlich im Donauplex auch noch ghört. Das SD-basierende Navi schaut a bissi nach Fisher Price aus, tut aber seinen Dienst (solange man nicht einen Zielort löschen will. Hab auch nach zehn Minuten nicht heraus finden können wie das geht).
Das beheizbare Lederlenkrad hätte auch für Captain Picard ausreichend Knepferln, liegt gut in der Hand und bietet gute Sicht auf die Armaturenlandschaft, welche in unserem Fall mit (aufpreispflichtigem) Lederimitat überzogen war.
Wenn jetzt noch die Mittelarmlehne irgendwie zu fixieren wäre und ned immer vor und zurück rutschen tät, wäre eigentlich alles pipifein.
Mit u-turns wirds nix, der Handanker geht mit Strom. Der Sicht nach hinten erinnert bei geschlossenem Verdeck an eine Schießscharte einer alten Ritterburg. Parksensoren sind aber auch vorne Pflicht, weil so richtig sieht man das Ende des Schnauzerls auch ned wirklich.

Kommen wir nun zur einzigen wirklichen Schwachstelle des Testfahrzeugs, dem Motor. Selbst einem durchaus eloquenten Menschen wie mir fällt es ziemlich schwer einen adäquaten Vergleich aus der Schatzkiste zu zaubern, der dem gefühlten Leistungsmangel Ausdruck verleiht.
Ich muss direkt mal nachschaun, ob bei Wikipedia unter „Luftpumpe“ ein Foto dieses Aggregats zu finden ist.
Der Vierzylinder plagt sich mehr als der Mopedmurl im ersten „Werner Beinhart“ Film. Grünen Berg oder Kahlenberg aufe tät i mi nur mit Schutzbrief traun. Schlimmer gehts glaub i nur mehr wennst den Häupl mit an Elektroradl a Schischanzn rauf jaukst.
Wenn man jetzt noch bedenkt, dass Opel den Cascada auch als 120PS(!) Version anbietet, gehen in den Bereichen des Gehirns, die für die Vorstellungsgabe zuständig san, endgültig die Lichter aus.
Das Leistungsdefizit rückt auch meine Bedenken zur schlechten Umsetzung der Start/Stop Funktion in ein anderes Licht.
Vielleicht will der arme Kerl unter Haube afoch nur mehr den Freitod wählen. Verdenken könnt ichs eam ned.

Das 6 Gang Getriebe ist wiederum ein Genuss. Knackig zu schalten, perfekter Abstand der Mittelarmlehne zum Schaltknauf.
Bremserei passt auch, is aber aufgrund der fehlenden Beschleunigung aber auch ned wirklich Burnout Syndrom gefährdet.
Fahrwerk ist eher komfortabel abgestimmt, schnellere links/rechts Kombinationen auf der Landstrasse wirken ein wenig schwammig.
Positiv überrascht war ich von der Verwindungssteifheit, die man so eigentlich eher von weit teureren Fahrzeugen gewöhnt ist.
Da hat Opel ins volle gegriffen, was sich aber auch im Eigengewicht von rund 1750kg niederschlägt. Aber lieber ein paar Kilo mehr am Rahmen, als ein Auto das sich auf unebenen Strassen windet wie der Grasser beim Finanzverhör.
Der Verbrauch pendelte sich im Test bei rund 11 Liter ein. Wo der Sprudel hingeht weiß ich nicht, in Leistung umgesetzt wird er jedenfalls nicht. Vielleicht schickt der arme Gastarbeiter Murl da vorne die Hälfte zur Familie nach Hause, who knows.

Preislich ist der Cascada ein absolutes Menü. Der ziemlich fein eingeräumte Testwagen wäre als Vorführer um 28k€ zu haben.
Ähnlich ausgestatte Fahrzeuge von Herstellern, deren Fließbandhackler die Pubertät schon durchlebt haben kommen da locker auf das Doppelte.

Fazit:

Wenn sich „Opel reloaded“ so anfühlt, dann nur weiter so. Ein grandioses Preis-/Leistungsauto haben die Jungs da auf die Räder gestellt, Hut ab. Sobald einer der beiden Dieselmotoren verfügbar ist, stehe ich fix wieder auf der Matte.
Steht bei der mentalen Liste meiner möglichen Neuanschaffungen jedenfalls ziemlich weit oben.

phj

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