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smart fortwo cabrio (451)

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Leistung: 84 PS
Drehmoment: 120Nm @ 3250 upm
Zylinder: 3 mit Turbolader
Hubraum: 999cm³
Eigengewicht: 800 kg
Beschleunigung 0-100 km/h: 10,7 sek
Höchstgeschwindigkeit: 145 km/h
Antrieb: Heck mit 5 Gang Semiautomatik/Tiptronic
Standort: Wiesenthal Wien 22
Fahrer: phj
Beifahrer: Löwinger
Charakteristik: Honey, i shrunk the X-Bow

Was haben uns die Eltern früher gepredigt? „Essts zam oder es gibt morgen schlechtes Wetter“.
So, jetzt hamma 2011, lauter fette Gschroppn und Erderwärmung.
Gegen letzteres ist ein Kraut gewachsen, der smart und die anderen microcars.
Nicht zuletzt wegen meiner etwas ausladenden Lenden sind mir 95% dieser Spezies eher suspekt.
Den Rest gibt mir die Klientel, die solche Teile normalerweise bewegt. Frustrierte Hausfrauen, flache Studenten oder
die absolut widerlichste Gruppe, die neunmal gscheiten Hybridschwartler, die dem Sportwagenfahrer an der Ampel gerne
schon mal ein paar „Und DU bist für das Sterben des Regenwalds verantwortlich“ Blicke rüber werfen.

Was also tun, wenn man ein kleines, intelligentes Auto sucht das trotzdem Spaß macht?
Meiner Meinung nach muss man in diesem Fall ins smart Regal greifen.
In der zweiten Evolutionsstufe ist der smart fortwo zu einem richtig leiwaunden Spaßmobil gereift.
War die erste Generation, der 450, zwar vom Ansatz her ganz ok, so fehlte doch an einigen Ecken und Enden
der Feinschliff.
Der 451 wurde um 19 Zentimeter verlängert ohne seinen Appeal zu verlieren. Einen Parkplatz findet man eigentlich immer
und da das Motörchen gerade mal 114g böses Pflanzentötergas pro Kilometer produziert, kann man die Knutschkugel
notfalls auch als vierrädrige Sauerstoffflasche verwenden. Die Verarbeitungsqualität des Innenraums ist für so ein Zwutschgerl
Auto sensationell.

Das hier getestete Sondermodell „night orange“ ist in sehr auffälligen (KTM like) Orange gehalten und eingräumt wie
ein waschechter Benz. E-Verdeck, Klima, Leder, LED Tagfahrlicht, ZV mit FB, Sitzheizung, Auto-lock, elektrische Fensterheber,
Dreispeichen Lederlenkrad mit Schaltpaddles, Surround Sound System und einem grenzgenialen Multimedia System
mit 3D-Navigation, MP3-CD slot, Aux und USB-in, SD-Card slot, Bluetooth Audio streaming und Freisprechfunktion.
Die Wiedergabe von mp3, Fotos und sogar mp4 Videos (serienmässig nur am Stand) ist möglich.
Bedient wird das audiovisuelle Hexenzeugs via sehr gut reagierenden Touchscreen.
Das Sound System macht mit den richtigen Einstellungen so richtig Druck und Laune, ist Pegelfest und ziemlich verzerrungsfrei.
Einzig die ein wenig zu aggressive Höhenabstimmung und ein leichtes Verschlucken der Mitteltöne wäre negativ anzumerken,
aber in Anbetracht des relativ geringen Aufpreises (Multimedia € 840,- bzw. Surround Sound € 500,-) habe ich in dieser Preisklasse
selten etwas besseres zu Ohren bekommen.
Das Kombiinstrument informiert den Fahrer über die üblichen Nebensächlichkeiten wie Geschwindigkeit, Sprudelvorrat und
Kilometerstand. Einzig eine Wassertemparaturanzeige ist mir abgegangen. Drehzahl und Uhrzeit gibts auf den beiden
Zusatzinstrumenten im Stielaugen look in der Mitte des Armaturenbretts.

Der Sitzkomfort ist überraschend gut, nur der Schalthebel in der Mitte stört gewaltig und sorgt bei forsch durchfahrenen Linkskurven
schon mal für einen Kurzauftritt des Leerlaufs. War aber heilfroh, dass es nicht nur mir so geht (auch wenn es für die meisten Leser
jetzt als Schock rüber kommt, aber ich bin ziemlich blad!), auch Herr Löw konnte die selbe Problematik feststellen.
Gleich hinter dem Schalthebel findet man das Zündschloss, was bei den meisten
Neo smartisten (Saab Fahrer mal ausgenommen) für kurzzeitige Verwunderung sorgt. Die Platzverhältnisse sind in Anbetracht
der winzigen Außenmaße phänomenal. Das Ein- und Aussteigen ging wesentlich leichter als z.B. beim neuen 5er BMW.

Das Faltdach kann (auch während der Fahrt) stufenlos elektrisch geöffnet werden. Einmal bis zur „C-Säule“, bei erneutem Drücken
bis runter zum Kofferraum. Wer richtiges Cabrio Feeling haben möchte, kann die beiden Dachholme händisch ausklinken und
in einem speziell dafür vorgesehenen Fach in der Kofferraumklappe verstauen. Da wir leider richtiges „Caps Lock“ Wetter hatten
(Shift ohne Ende), konnte dieser Aspekt nur begrenzt getestet werden. Aber auch mit den Holmen in Position kam Laune auf.

Sobald der Schlüssel gedreht wird, beginnt der 3 Zylinder Nähmaschinenmotor zu arbeiten und gibt herzig knuffige Laute von
sich. Im Testwagen schlummerte ein 84 PS Turbo Benziner unter der Kofferraumabdeckung.
Wo die Frage des klassischen 0 auf Hundert Wertes beim Dieselkollegen der ersten Generation noch mit „Jo, irgendwann sicher“
beantwortet werden konnte, nimmt man dem neuen Modell die knapp elf Sekunden nicht nur ab, sondern fühlt sich durch
das komprimierte Rundherum deutlich schneller. Teilweise kam richtiges Rennfieber auf und ich war definitiv im Senna Modus.
Ampel grün, Vollgas, links, rechts, links, rechts, Anker, rechts umme, Vollgas!

In einem Bereich von 0 bis 120 km/h ist der kleine Nektarinen Racer zu Hause.
Wunder darf man sich von dem kleinen Schnauferl naturgemäß keine erwarten, aber in der Stadt machen so kleine
Ampelhatzerln so richtig viel Spaß. Bei 145km/h wird elektronisch abgeriegelt (stimmt wirklich, auf der Nordbrücke war plötzlich
Sperrstund), was aber durch obligates Chip Tuning umgangen werden kann.
Das Fahrwerk ist schon bei diesem Modell ziemlich hart. Da kann man fast gar nicht glauben, dass der Brabus Bruder
noch um einiges härter sein soll. Aber wir wollen ja schließlich einen flinken Gasslhatzer und keinen Öltanker pilotieren.

Kommen wir nun zu DER Schwachstelle der smarts, dem Getriebe. Obwohl beim 451er gehörig nachgebessert wurde,
so ganz im Griff ist das Problem nicht. Die „Gedenk Sekunde“ beim Gangwechsel ist nach wie vor präsent.
Besonders fällt es beim Kickdown im rollenden Zustand auf. Das wär als ob sich die zwei „Getriebe Polen“ Marek und
Romek nicht so wirklich sicher sind welches Kranzl bei forcierter Gaspedalbewegung jetzt das beste zum nachschlichten wäre.
Irgendwann herrscht aber dann doch Einigkeit und Harmonie im Getriebe und die orange Gehhilfe prescht nach vorne.
Die Schaltpaddles am Lenkrad sind ein nettes Gimmick, aber nicht wirklich notwendig, da bei Erreichen des Drehzahlbegrenzers
sowieso automatisch hoch geschaltet wird und die Motorbremswirkung bauartbedingt keine Häuser versetzen kann.

In Sachen Fahrwerk hat sich auch einiges getan. War bei den 450ern -vor allem in lang gezogenen Kurven- der Angstschweiß
omnipräsent, so fährt einem beim 451er der Stift seltener aus. Auf nassen Strassen muss man sich erst mal an das
smart Erlebnis gewöhnen. Kurveneinfahrt, Scheitelpunkt, GAS, Untersteuern, ESP, Übersteuern, ESP.
Klingt jetzt katastrophal, ist aber in der Realität schwer geil. Ich bin mir sicher, dass man nach einigen tausend Kilometern
das fahrdynamische Tourette Syndrom voll im Griff hat und das Ding dann erst so richtig Spaß macht.
Bremsen tut das Teil, als ob eine Sechskolbenanlage verbaut wäre. Gut dosierbar und -wenns sein muss- ziemlich brachial.
ABS regelt sehr gut und gibt brauchbares Feedback an den Fahrer. ESP ist leider wieder nicht zu deaktivieren, was aber
bei einem Radstand von 1,8 Metern vielleicht auch nicht so schlecht ist, sonst könnte man bei leichtem Regen an jeder Ecke
einen Halbbefruchteten vom Asphalt kärchern.

Fazit:

Der Zwerg ist definitiv erwachsen geworden. Der seltene Mix aus „Vernunftstadtauto“ und Spaßmobil ist hier sehr gut gelungen.
Ausstattungstechnisch dürfte auch Piloten der gehobenen Klasse nix abgehen. Und die wären auch die preisliche Gestaltung
gewohnt. Ok, 23k€ sind für ein microcar nicht wirklich wenig, aber dafür bekommt man auch etwas geboten.
Wenn smart jetzt noch Marek und Romek ein bissl Feuer unterm Hintern machen würde, gäbe es wirklich keinen Grund mehr
sich in so einen grauslichen Prius zu zwingen.

 

phj

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